Sportunterricht wäre übertrieben. Offiziell haben wir heute Volleyball gespielt. Netz? Wird überschätzt. Technik? Vollkommen überbewertet. Einzig der Ball erinnerte heute an das Spiel.
Ich denke, ich muss nicht extra sagen, dass ich ziemlich gefrustet bin.
Die Sportgruppe vor uns hatte eine Leine auf die Länge der Halle gespannt, von Basketballkorb zu Basketballkorb. Dass die Körbe höher sind als ein Volleyballnetz? Egal. Dass es in der Mitte der Halle dafür wesentlich tiefer war? Auch nicht so wichtig. Meinetwegen kann man so etwas ja benutzen, um sich warmzuspielen. Aber eine Doppelstunde lang einfach mal kein normales Netz und damit Spielfeld aufzubauen, sondern auf irgendwelche obskuren Kleinfelder zu spielen, das war schon ziemlich komisch.
Wenn man das denn „spielen“ nennen will, was heute passiert ist. Der Sportlehrer sieht zu, wie die meisten Punkte per Aufschlag erzielt werden. Ich hatte zwischendrin mal eine Serie, wo ich einfach zehn Punkte per Aufschlag gemacht habe und das gegnerische Team sich gar nicht groß gewehrt hat. Aber gut, was will man auch machen, zu dritt (später zu viert) auf einem Winz-Feld?!
Taktik im Raum war heute nicht zu entdecken, meist gingen mehrere Leute zum Ball. Gut, vielleicht war man die kleinen Felder einfach nicht gewöhnt. Aber wieso lässt man als Lehrer dann weiter auf dieses unnatürlich geformte Feld weiterspielen, mit unnatürlich großen Teams. Überfordert das nicht mehr als es nützt?
Dann zum Spiel selber: Drei Kontakte pro Mannschaft waren die Ausnahme. Zwei Kontakte waren schon ungewöhnlich genug. Meistens wurde gar nicht mal versucht, als Mannschaft zu spielen. Das ist natürlich einerseits kein feiner Zug von den jeweiligen Spielern, denen es nur darum ging, den Ball aggressiv übers Netz zu kriegen. Andererseits muss man aber auch sehen, dass ein Sportlehrer das nicht tolerieren kann. (Und: Wenn Spieler halb-ironisch und auch auf ihre eigene Spielweise bezogen sagen, dass Volleyball kein Mannschaftssport sei, dann schwillt mir der Kamm.)
Das einfachste Mittel: Vor dem Spiel eine klare Ansage, dass es um ein ZUSAMMENspiel geht, um Spielzüge etc. Und dann bei Verstößen dagegen konsequent durchgreifen: Ein unnötig (!) aggressiv über das Netz bugsierter Ball bedeutet Straf-Liegestützen für den jeweiligen Spieler. Ansagen ohne Konsequenzen bedeuten, dass Ansagen ignorierbar sind – und das bedeutet die Wirkungslosigkeit.
Es kann nicht sein, dass ein Sportlehrer schlechtes Verhalten (sei es im technischen oder im taktischen Sinne) nicht korrigiert. Wie kann es ohne Konsequenzen bleiben, wenn Spieler den Ball teilweise eine Sekunde lang mit der Hand transportieren oder nur mit einem Arm baggern (beides jeweils mehrfach und ohne Not)?!
Wenn die Spieler es nicht können, dann braucht man mehr Technik-Übungen und weniger Spiel. Wenn die Spieler keine Lust haben, dann braucht es Strafen wie die angesprochenen Liegestützen.
Dann ist man zwar nicht mehr der lockere Herr Sportlehrer, aber man hebt das Niveau des Spiels beträchtlich. Dass es bei vielen an der Technik mangelt, ist kein Geheimnis. Wieso dann nicht mehr technische Übungen und Korrekturen durch den Lehrer? Wieso dann nicht einfache Übungen, die nah am Spiel sind: Viel laufen, viel spielen – aber alles innerhalb der Übung und ohne konkreten Gegner.
Ich habe genau solche Sportstunden (also nicht die oben kritisierten, sondern diese mit viel technischen Übungen) letztes Jahr bei Herrn Urkiaga genießen können. Da hat man gemerkt, dass ein Konzept dahinter steckt, dass die Stunden und die Übungen durchdacht sind! Das ist halt nicht nur lockeres Spielen, aber dafür steigern sich die Spielfertigkeiten enorm und wenn man tatsächlich spielt, ist das qualitativ besser. Man konnte eine Lernkurve sehen!
Dieses Jahr hingegen spielen wir fast ausschließlich und auf einem dilettantischen Niveau. Und das macht einfach keinen Spaß, wenn überall nur gepfuscht wird und nur wenige wissen, wie es eigentlich laufen könnte. Das ist unbefriedigend für alle. Das ist kein Sport. Und ich frage mich ernsthaft, wie man auf solche Leistungen Noten verteilen will.
Wieso macht man es nicht so: Gemeinsames Aufwärmen, gemeinsames Dehnen, Einspielen, Technik-Übungen (tlw. verbunden mit Lauf-Anteil – aber dabei einfache und nicht verwirrende Laufwege -, tlw. statisch) und dann ein (!) Abschluss-Spiel auf zwei oder drei Sätze.
Das fühlt sich an wie Training und nicht wie Beschäftigungstherapie. Da fragt man sich danach nicht, warum man heute überhaupt da war. Da fragt man sich auch nicht, warum sich der Sportlehrer seinen eigenen Sport so kaputtmachen lässt von alles irgendwie hinpfuschenden Spielern und nichts dagegen unternimmt.
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