Wie schon im letzten Beitrag angedeutet, war ich vergangene Woche in Konstanz. Ich wollte mir die Uni ansehen und erkunden, ob es ein geeigneter Studienort für mich wäre. Im Moment bin ich nicht schlauer als vorher, aber vielleicht braucht es auch etwas Zeit, bis sich das Erlebte setzt und man klarer und rationaler nachdenken kann.
Am Dienstag ging es direkt nach der Mathe-Klausur los. Ein Zwischenstopp bei Burger King, ein FastFood-Mittagessen, dann ab auf die Autobahn und auf nach Konstanz. 4 Stunden später kletterte ich aus meinem Gefährt und stand am Bodensee.
Ich hatte mir ein Zimmer in einer Jugendherberge gemietet, das ich mit drei weiteren Leuten teilte. Den ersten Mitbewohner, dessen Namen ich vergessen habe, lernte ich unmittelbar nach meiner Ankunft kennen. Er ist Franzose, hat zwei Jahre lang in Irland gearbeitet und reist im Moment als Backpacker durch Europa. Seit Anfang Januar ist er in Deutschland und will hier noch etwa bis Ende März bleiben, dann geht’s weiter nach Osteuropa. Irgendwann muss er mal wieder für ein halbes Jahr arbeiten, damit er wieder Kohle fürs Reisen hat, denn ihn zieht’s praktisch immer auf Tour. Ein ziemlich schräger Vogel…
Ich hab nur kurz meine Sachen in den Schrank geschmissen und bin dann mit dem Bus in die Altstadt gefahren. Erste Ernüchterung: Auch hier sind die Busfahrer gerne mal ziemlich arschig drauf. Naja… Im Bus dann auch die erste Bemerkung zur Uni: Irgendwer telefonierte mit einem Studenten, der im Moment Prüfungen hatte, und erzählte von Dauerlutschern als motivierendes Geschenk.
Im Prinzip sieht die Innenstadt von Konstanz so aus wie Erlangen, nur mit mehr Geld in der Hinterhand. Die Nähe zur Schweiz merkt man aber auch bei den Lebensmittelpreisen, die billigsten Döner kosten 3,50€ und in einem Restaurant kosten in der Regel alle Hauptgerichte zweistellige Summen. Ich hab mich nach längerem Herumlaufen bei einsetzender Dunkelheit für ein griechisches Restaurant entschieden und saß zufällig neben einer Gruppe von Professoren, die sich über eine zu besetzende Professorenstelle für Angewandte Analysis, die Bewerber hierfür und die Vorteile des Bachelor-Systems unterhalten haben (Uni-Eindruck Nummer Zwei nach dem Telefonat im Bus). Ziemlich seltsam, sobald ich in der Stadt war, haben sich alle um mich herum über die Uni unterhalten.
(By the way, der Grieche war klasse! Ich hatte einfach nur Gyros bestellt, als Vorspeise wurde mir auf Kosten des Hauses ein Bauernsalat hingestellt und bei den Gyros gab’s als Beilage frittierte Kartoffelscheiben, die so ähnlich wie Pommes schmeckten – aber viel besser.)
Danach ging’s mit dem Bus wieder zurück in Richtung Jugendherberge, ganz nebenbei hatte man auf dem Weg einen fantastischen Blick über den Bodensee und all die angestrahlten Gebäude am Ufer. Ich musste so ein kleines bisschen an Venedig denken… 
In der Jugendherberge war dann das Zimmer komplett versammelt: Neben dem bereits erwähnten Franzosen und mir waren da auch noch Andrei/j/y – gut gebräunt und mit Hamburger Akzent – und Christoph – Zivi aus dem Allgäu und auch wegen den Studientagen der Uni in Konstanz. Vor allem mit Christoph hab ich mich noch länger unterhalten, er will auch Politik- und Verwaltungswissenschaft studieren und hatte sich das an diesem Tag schon angeschaut. Wir beschlossen, am nächsten Tag gemeinsam zur Uni zu gehen, am Vormittag sollte es eine große Eingangsveranstaltung geben.
Wir sicherten uns frühzeitig Plätze im Audimax, der mich ziemlich beeindruckt hat. Ich kannte schon den aus Erlangen, aber in Konstanz war es kleiner, neuer und man hatte einen richtig fetten Beamer in die Wand integriert. Wie gesagt, als wir uns Plätze suchten (auf etwas seltsamen Drehstühlen, nicht die gewohnten herunterklappbaren Sitze) war noch sehr viel frei, das änderte sich mit der Zeit. Vor allem zwei Minuten vor Veranstaltungsbeginn schwappte noch einmal eine gewaltige Schülermenge in den Saal und verteilte sich auf die Treppen und auf die Empore – der Rest war bereits belegt.
Der ganze Bohei fand im Prinzip nur für eine Begrüßung durch das Rektorat, die Studienberater und eine Studentin statt. Es gab keine Infos, die man nicht irgendwie anderweitig hätte recherchieren können. Neben Christoph und mir saßen ein paar Schüler aus der Region, die an ihrer „Ich bin heute hier, weil ich keinen Bock auf Schule hab“-Pose feilten. Nach einer knappen Stunde war’s dann rum und ich konnte endlich aufs Klo
Ganz im Ernst: Die Uni ist ein Irrgarten! Ich hatte einen übersichtlichen Gebäudeplan ausgedruckt, außerdem war für die Schüler der Weg zu den einzelnen Veranstaltungen ausgeschildert – und trotzdem war ich mir selten sicher, ob ich gerade auf dem richtigen Weg war… Die Uni hat ihre Gebäude tatsächlich von A bis Z benannt, außerdem gibt’s verschiedene Ebenen, also Stockwerke. Weil das ganze Gebäude aber am Hang steht, ist die Ebene auf Höhe des Audimax aber nicht 1, sondern 5 oder 6. Ich musste in D 434 und hab darauf gehofft, den anderen Schülern hinterherlaufen zu können. Hat nicht geklappt, ich musste selber suchen, hab’s dann aber doch irgendwie gefunden. Ich glaube, als Student sind die ersten Wochen und die Wege von Raum zu Raum der pure Horror…
Die Veranstaltung selbst war dann ziemlich informativ, der Studiengang wurde detailliert vorgestellt und natürlich auch beworben. Danach hat noch ein Student, der im Sommer seine Bachelor-Arbeit schreiben wird, seine eigene Einschätzung geliefert und Fragen beantwortet.
Anschließend bin ich mit Christoph in die Mensa (mit atemberaubendem Blick über den Bodensee), in die sich unzählige Schüler drängelten. Mittagessen, nett unterhalten, voneinander verabschieden und hoffentlich im Herbst wiedersehen.
Tankstopp in der Schweiz, dann Heimweg und übers Navi ärgern, schließlich doch ankommen. Erschöpft, aber ein ganz gutes Gefühl. Erst mal Abstand gewinnen, dann noch einmal über Vor- und Nachteile nachdenken.