Max macht Abitur

Ich Krisenkind?

21. Juni 2009 · 7 Kommentare

Der SPIEGEL der vergangenen Woche titelte: „Wir Krisenkinder“. Drüben bei Eva gibt’s übrigens einige kluge Gedanken dazu.

Die Spiegel-Redakteure betrachten die 20- bis 35-Jährigen als Generation der Krisenkinder. Geprägt durch Unsicherheit, durch den 11. September und dessen Folgen, geprägt durch die Finanzkrise. Festanstellung Fehlanzeige. Gemeinschaftssinn verschwunden. Oft unbezahlte Arbeit als Lebensmittelpunkt. Unpolitisch.

Ich bin 19. Bin ich eines dieser Krisenkinder?
In einigen Punkten habe ich mich erkannt. Zum Beispiel in den eher diffusen Vorstellungen der eigenen Zukunft: Ich weiß, was ich studieren möchte. Aber was danach arbeiten? Mal schauen, ein einziger Job bis zur Rente ist ohnehin unrealistisch. Das bedeutet aber nicht, dass ich gleichgültig in die Zukunft gehe, sondern vielmehr davon überzeugt bin, dass Selbstoptimierung die Pflicht dieser Generation und auch ausgefahrene Ellenbogen manchmal unerlässlich sind – denn wenn ich es nicht mache, dann macht es jemand anders.

Ich glaube an meine eigenen Qualitäten. Ich bilde mir etwas darauf ein, an Projekten zu arbeiten, deren Erfolg ich beobachten kann. Ich begreife den Weg in die Selbstständigkeit nicht als den Gang vor die Hunde – im Gegenteil: Als Selbstständiger muss ich mich im Gegensatz zum hierarchischen Aufbau von Firmen nicht mehr ausbremsen lassen von Angestellten, die mit der Methode „Dienst nach Vorschrift“ auf die Rente warten; ich wähle selbst aus, mit wem ich zusammenarbeite und mit wem nicht. Dass Selbstständigkeit ein Leben voll Arbeit bedeutet, nehme ich in Kauf. In etablierten Firmen bleibt mir ohnehin nur noch die Wahl zwischen gnadenloser Ausbeutung, die gelegentlich belohnt wird, und einer 9to5-Aufgabe, in der ich aufs firmeninterne Abstellgleis geschoben werde. Wieso nicht aus diesen Strukturen ausbrechen und selbst darüber verfügen, wie ich mich ausbeute?
Der Gesellschaft im Ganzen wird es langfristig schlechter, aber mir persönlich wird es besser gehen – typische Sichtweise eines Krisenkindes?

Kategorien: Max denkt auch an die Zukunft
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7 Antworten bis hierher ↓

  • jens [catenaccio] // 23. Juni 2009 um 10:12

    ich fand die geschichte noch ganz interessant, dass nur zwei der krisenkinder vom titel zur wort kommen. eins der krisenkinder, was sprachlos ist, dafür aber spiegelpraktikantin ist… das mädel vorne im blickpunkt.

  • Max // 23. Juni 2009 um 10:39

    Jetzt wo du’s sagst: Kamen die nackten Anti-NATO-Protestanten auch im Artikel vor oder wurde das nur als Reißer-Bild benutzt, weil Sex immer geht?!

  • jens [catenaccio] // 23. Juni 2009 um 12:25

    *schmunzel*

    keine ahnung… man muss dazu sagen, dass die anderen vom titel durchaus, vom wissensstand, biografie, etc. potenzial gehabt hätten, etwas zu sagen. scheinbar brauchte man aber nur billige models…

    ps. bin auch nur bildredakteur. ich denke vor allem an bilder ;)

  • jens [catenaccio] // 24. Juni 2009 um 15:49

    http://www.flaremag.de/texte/2009/06/die-unsichtbaren-koepfe-vom-spiegel/#more-610

    kleiner nachtrag noch!

  • Max // 24. Juni 2009 um 16:05

    Ah, danke für den Nachtrag. Ist natürlich nicht unbedingt der feinste Zug vom Spiegel, da seine eigene Mitarbeitern nach oben zu hieven und dann unerwähnt zu lassen.

  • Daniel // 26. Juni 2009 um 00:43

    Du hast geschrieben, dass du Staats-und Verwaltungswissenschaften in Konstanz studieren möchtest… an sich hört sich das für mich nach ner interessanten Mischung aus Politik/Wirtschaft/Recht an… ich frag mich nur was man damit machen kann und erst recht wie man sich selbstständig machen kann. Vielleicht kannst du mir ja ein wenig weiterhelfen, finde hier im Internet nichts. Lg

  • Max // 29. Juni 2009 um 15:15

    Sorry, dein Kommentar von vor drei Tagen ist mir durchgerutscht, ich hab ihn bis vorhin nicht einmal gelesen gehabt.

    Ich studiere in Konstanz übrigens nicht Staats- und Verwaltungswissenschaft (was auch ein ziemlich sinnloser Titel für das Studium wäre, denn die Verwaltungswissenschaft ist eine Teildisziplin der Staatswissenschaft), sondern Politik- und Verwaltungswissenschaft.
    Mit der Mischung Politik/Wirtschaft/Recht liegst du ziemlich präzise, ich würde eventuell noch Managementlehre ergänzen.

    So, nun die große Frage: Was macht man damit? Taxifahrer. Prinzipiell ist viel möglich, man studiert nicht auf ein konkretes Berufsbild hin. Neben Parteien und Verbänden sind auch Behörden ein häufiger Arbeitgeber, aber immer wieder zieht’s Absolventen auch in die freie Wirtschaft.
    Wie macht man sich damit selbständig? Ich denke, wenn man auf die im Studium erworbenen Kenntnisse beschränkt bleibt, hat man als Selbständiger relativ geringe Chancen. Was theoretisch gehen würde, wäre Politik- oder Wirtschaftsberatung, außerdem eine Laufbahn als freier Journalist.
    Aber gerade wenn man wie ich einen interdisziplinären Studiengang wählt, dann kann man nicht immer erwarten, am Ende auch in der Branche zu arbeiten, für die man sich klassischerweise im Studum qualifizieren würde.

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