Heute abend ist die offizielle Verabschiedung vom Gymnasium. Ein sehr seltsames Gefühl, dass dieses gewohnte tägliche Umfeld jetzt weg sein wird und ab Herbst einfach mal ausgewechselt wird. Ich hab die Kollegstufe sehr genossen, diese verschiedenen Kurse mit immer neuen Konstellationen – irgendwie fand ich’s spannend. Einen Großteil meiner Mitschüler, mit denen ich vorher fast nichts zu tun hatte, habe ich heute, knapp zwei Jahre später, in mein Herz geschlossen – und ich denke, das geht den meisten ähnlich.
In der letzten Woche gab es diesen langsamen Abschied vom Gymnasium; all diese Rituale, wo man in der Unterstufe noch zu den Großen aufgeschaut hat – und auf einmal verwüstet man selbst das Schulhaus, spielt gegen die Lehrer Fuß- und Volleyball und verteilt Eis.
Am Montag waren die Abi-Gags in den letzten beiden Stunden, wie jedes Jahr eine Art Wettkampf zwischen Schülern und Lehrern in verschiedenen Spielchen, vor allem für die Kleinen war’s ganz unterhaltsam. Mit dem Alter sieht man das alles etwas anders – es war wohl ganz witzig und hat auch alles gut geklappt, vor allem die mit Photoshop verzierten Lehrer und Schüler, die in Ritterrüstungen steckten o.Ä. und von den Spielern erraten werden sollten, fand ich ziemlich gut. Fakt ist aber auch, dass es Jahrgänge gab, die da einfach eine viel größere Show geboten haben – ich sag nur „Bavarian Glabiators“.
Die „Schulhausverschönerung“ war für Mittwoch angesetzt, morgens um 6 gehörte das Schulhaus uns. Die Hüpfburg vor der Schule war ziemlich gut, die Heuballen-Mauer, die u.a. den Weg ins Direktorat blockierte, fand ich persönlich extrem lustig. Ansonsten halt das übliche: Klopapier und Frischhaltefolie quer durch die Aula gespannt, Nebelmaschine, Musik, auch Wasser – obwohl eigentlich untersagt. Blöderweise fühlten sich die Kinder dadurch etwas angestachelt und übertrieben es ziemlich: Wir hatten gefüllte Becher auf den Treppen platziert, um zu verhindern, dass man einfach nach oben würde gehen können. Irgendwann entstand bei den Kleineren die Idee, dass man diese Becher ja auch einfach mitnehmen und andere Personen mit diesem Wasser übergießen könnte. Außerdem wurde anscheinend irgendwo eine Gießkanne entdeckt – und diese prompt gefüllt und auf den Boden und die Mitschüler entleert. Im gekachelten Treppenhaus ist das ärgerlich, aber auf dem Parkettboden ist das richtig scheiße – und natürlich würde die K13 dafür aufkommen müssen, wenn irgendwas kaputt ging. Irgendwann hatten wir das Wasser eingedämmt und die größten Pfützen beseitigt, aber ein paar Idioten rannten immer noch durchs Schulhaus und verteilten Wasser auf ihre Umgebung. Superlustig! Nicht. (Trotz des vielen Wassers hatten wir das Schulhaus aber innerhalb einer knappen Stunde wieder einigermaßen sauber gekriegt.)
Am gleichen Tag war dann auch noch Abi-Sport, also Cheerleading sowie das traditionelle Fußball-Match gegen die Lehrer, gefolgt von einer Partie Volleyball. Kurzzussammenfassung: Cheerleading war sehr nett (ich wurde kurzerhand als Helfer rekrutiert und kann deswegen exklusives Foto-Material aus nächster Nähe bieten
, siehe oben), beim Fußball haben die Schüler zum ersten Mal seit 10 Jahren verloren (4:3, Bericht und Arroganz-Statement von Herrn Baum hier), was wahrscheinlich am großen Team lag (wir hatten im Vorfeld entschieden, dass jeder mitspielen darf, egal wie gut er ist – das führte zu einer riesigen Mannschaft), im Volleyball gab’s die übliche Klatsche.
Etwas unschön war der Support durch die Schüler – während normalerweise die Abiturienten unterstützt wurden, war es diesmal anders. Die Lehrer wurden bejubelt (was ja eigentlich auch okay ist), die in Rückstand liegenden Abiturienten wurden ausgebuht (was definitiv nicht okay ist). Auch diverse Anfeuereungsversuche durch unsere Cheerleading-Mädels fruchteten nicht wirklich. Den Grund dafür weiß niemand.
Ach ja: Hier noch das brutale Foul von Herrn Baum an Jörg Zenkel. Das Schienbein war am nächsten Tag richtig blau, Jörg kam nicht mehr aufs Feld zurück.
Donnerstag gab’s Eis für die Schüler – wobei wir noch zweifelten, ob sie sich das nach diesem „Support“ verdient hatten. In den letzten Jahren hatte es immer irgendein kleines Billig-Eis aus dem Discounter gegeben, ein bisschen Vanille umhüllt von Schokolade, das war’s. Als unser Eis-Laster vorfuhr, kippten wir fast um: Wir hatten zwei verschiedene Sorten Schöller-Eis und zwar die größeren und teureren Teile. Ab da haben wir echt gezweifelt, ob wir vielleicht nicht einfach die Kindergärten und Grundschulen der Stadt anfahren und das Gymnasium leer ausgehen lassen sollten. Letztendlich waren wir dann doch großzügig genug, um durch die Schule zu ziehen. Ich kümmerte mich mit meinem Team um die K12. Bei uns ist es ein altes Ritual: Die Klasse singt ein Lied für die Abiturienten (wobei Lied eher weit gefasst ist, regelmäßig bekommt man zweifelhafte Versionen von „Alle meine Entchen“ oder einfach eine „Humba“ zu hören), als Belohnung gibt’s Eis. Unfassbar, wie die Sangesfreudigkeit einer Klasse vom Lehrer abhängt: In einem Bio-GK und einem Physik-GK gab es überhaupt keine Ideen, was man denn singen könnte und wir mussten selbst Vorschläge machen, damit wir überhaupt irgendwas zu hören bekamen. Der Englisch-LK bei Frau Prinz hingegen intonierte mal eben ein vierstrophiges Liedchen, im Latein-LK hörten wir eine lateinische Version von „Viel Glück und viel Segen“ (mit spontan organisiertem Kanon!), im Französisch-LK wurde „Sur le pont d’Avignon“ gesungen und Herrn Popps Physik-GK hatte zufällig eine E-Gitarre im Klassenzimmer herumstehen, der zu unserer Freude auch Töne entlockt wurden – die vier Kurse haben sich ihr Eis echt verdient!
Heute ist Freitag, heute ist die offizielle Zeugnis-Verleihung und Verabschiedung. Wir haben heute vormittag schon einen Großteil organisiert, gleich werde ich das Geschenk von unserem Deutsch-LK für Herrn Tichi fertig machen und danach duschen und mich in Schale werfen. Auf dem Programm des heutigen Abends wird nach dem Ende des offiziellen Teils auf einen „kleinen Umtrunk“ im Südhof des Gymnasiums eingeladen – ein schamloser Euphemismus!

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