Max macht Abitur

Beiträge vom Februar 2009

Thomas Mann.

26. Februar 2009 · Kommentar schreiben

Wenn ich das gewusst hätte… Seit einigen Wochen trage ich im Deutsch-LK den Spitznamen «Thomas Mann» (den lustigerweise nur die männlichen Anwesenden – Robert, Matthias und Hr. Tichi – verwenden, die Mädels tun dies dankenswerterweise nicht). Und das kam so: Ich habe meine Facharbeit korrekturlesen lassen und beide Korrektorinnen bemängelten, dass meine Sätze sehr lang wären. Diese Kritik hab ich in einem Gespräch erwähnt, wo mein Gegenüber mir riet, ich solle mich beim Fachlehrer einfach als Thomas-Mann-Fan rechtfertigen.
Kurze Zeit später hab ich von diesem Gespräch im Deutsch-LK erzählt und seitdem heiße ich dort Thomas Mann.

Es ist seltsam, diesen Namen zu tragen. Ich liebe Manns Schreibstil und wenn man mich als Thomas Mann bezeichnet, dann wandelt sich dieses Etikett sofort von Hochkultur zu etwas Profanem, wenn auch humorvoll Gemeinten.

Vor zwei oder drei Jahren bekam ich ein Hörbuch in die Hände, besser gesagt eine private Lesung. Tonio Kröger. Gelesen von Thomas Mann höchstpersönlich. Eine alte Aufnahme, die manchmal knisterte und bei der man hören könnte, wenn draußen vor dem Haus ein Auto vorbeifuhr, ein Hund bellte oder jemand an der Tür klingelte. Ich gestehe: Ich habe es einfach so weggehört, habe nebenher etwas anderes gemacht. Ich könnte heute die Geschichte in groben Zügen erzählen, mehr nicht.

Der Einschnitt kam im Deutsch-LK. Wir entschlossen uns dazu, «Buddenbrooks» als Lektüre zu wählen. Als das Buch und unsere andere Lektüre, Grass’ Blechtrommel, vor mir auf dem Tisch lagen, war ich zunächst etwas eingeschüchtert. Insgesamt 1500 Seiten.
Ich nahm mit einigen Tagen Abstand das Buch zur Hand und begann zu lesen. Nach drei Minuten fluchte ich. Jeder zweite Satz französisch. Meine eingerosteten Kenntnisse reichten gerade so. Nach zehn Minuten legte ich das Buch weg, es war anstrengend.
Einige Wochen später, im Sommerurlaub an der Ostsee. Ich hatte gerade drei Wochen für Siemens gearbeitet und abends ein kleines bisschen Buddenbrooks gelesen. Wirklich weit war ich nicht. Zum Ende der Sommerferien, in zwei Wochen, sollten beide Bücher gelesen sein, das hatte uns Herr Tichi mit auf den Weg gegeben. In dieser Ferienwoche legte ich die Buddenbrooks selten aus der Hand. Ich stand auf und las. Ich kam aus dem Bad und las. Ich saß am Strand und las. Ich kam von den Ausflügen zurück und las. Ich setzte mich in den Strandkorb im Garten und las. Ich setzte mich ins Bett und las.
Ich bin bekennender Langsamleser, ich lese gerne nur ein paar Seiten täglich. Nach vier Tagen war ich mit den 800 Seiten Buddenbrooks fertig. Und war enttäuscht, dass es schon vorüber war.
Es ist wunderbar, einfach so im Strandkorb zu sitzen, eine leichte Brise im Haar, die salzige Luft in der Nase, die Sonne im Gesicht, das Buch vor den Augen. Es entwickelte sich ein Sog, die Familie Buddenbrook waren für mich nicht Figuren eines Autors, sondern real erlebbare Charaktere. Und: Es war unfassbar gut geschrieben! Diese Menge an Daten, Fakten, Personen, Ereignisse, Beschreibungen – und trotzdem dieser eine rote Faden, der das Buch zusammenhielt und nicht in eine Sammlung von Einzelteilen und Stückwerk zerfallen ließ. Diese Sprache, diese unfassbar präzise und geschliffene Sprache!

Ein paar Monate später steht ein weiteres Mann-Buch in meinem Bücherregal. München leuchtete, eine Sammlung von Erzählungen, Essays, Briefen, Tagebucheinträgen. Im Moment ist es meine Bettlektüre, es gibt eine Reihe angenehm kurzer Texte. Inzwischen gefallen mir Thomas Manns kürzere Texte besser; sein Tagebuch ist großartig.
Ich finde es besonders faszinierend, dass Manns Texte ihre Wirkung erst mit einigem Abstand bei mir entfalten. Unmittelbar nach dem Lesen stehe ich ihm relativ nüchtern gegenüber, aber mit einigen Tagen Abstand tauchen verschiedene Details in meinem Gedächtnis auf. Es scheint, als hätten sich seine Beschreibungen und Schilderungen unbewusst eingegraben und hätten nur darauf gewartet, in einem mehr oder minder geeigneten Augenblick zum Vorschein zu kommen. Am heftigsten war diese Wahrnehmung bei seiner Erzählung «Beim Propheten», wo es um eine Lesung aus einem Manifest geht. Dessen Verfasser tritt nicht in Erscheinung, er lässt einen seiner «Jünger» lesen – und dennoch ist er für mich einer der Mittelpunkte, im Ungewissen zwischen Kunst und Religion, zwischen Kult und Kultur. Ich habe beim Lesen versucht, aus allen Beschreibungen, aus den anwesenden Personen, aus dem Mobiliar, der Atmosphäre, dem vorlesenden «Jünger» Rückschlüsse auf die Figur des «Propheten» zu ziehen. Mit einigen Tagen Abstand hatte ich einen Film in meinem Kopf, die Lesung dieses Jüngers, ein sehr konkretes Bild, ausgestaltet bis in die letzten Feinheiten.

Ich genieße es, Mann zu lesen. Es hat etwas gedauert, bis ich zu diesem Genuss fähig war, es gab einige Anlaufschwierigkeiten. Aber der Status quo entschädigt für Vieles.

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Theaterprobenwoche, Tag 1

23. Februar 2009 · 2 Kommentare

Faschingsferien = Theaterproben. Am 20. und 21. März werden wir (hoffentlich!) unser Stück «Glaube Liebe Hoffnung» (von Ödön von Horvath) aufführen – aber bis dahin muss noch einiges geschehen, vor allem in dieser Woche.

Heute war’s ein komischer Probentag, viele ließen raushängen, dass sie gerade viel lieber woanders wären, wahlweise im Bett oder am Schreibtisch, um irgendwas zu lernen. Ist natürlich tödlich für die Produktivität… Ich denke, da müssen wir «Erfahrenen» mit einer härteren und disziplinierteren Linie dafür sorgen, dass sich da nicht der Schlendrian einschleicht, sondern dass auch wirklich gearbeitet wird. (Ich hab schon ein paar Kandidaten im Visier, muahahaha! ;-) )

Im Vergleich zum «Fächer» letztes Jahr funktioniert schon vieles ziemlich gut, aber die Aufführung ist ja auch in etwas mehr als vier Wochen. Aber: Es hapert immer noch an bestimmten Stellen, so etwa das fünfte Bild. Dort gibt es sehr viele Personen, viele Aktionen und leider auch viele unklare Laufwege. Einstiege werden verpasst (von fast allen, mich eingeschlossen), der Text sitzt noch nicht zu 100% (so auch bei mir), … Da ist Arbeit angesagt!

Ansonsten besteht das Stück im Moment aus sehr vielen Versatzstücken, manche davon sind schon jetzt sehr gut (und waren schon beim ersten Mal so gut, dass mir eine Gänsehaut über den Rücken lief), an anderen muss noch dringend gearbeitet werden. Das Große, Ganze dahinter lässt sich im Moment nur erahnen – aber ich bin davon überzeugt, dass es gut sein wird.

Was noch passieren muss:

  • konzentrierte Arbeit an den Schwachstellen
  • ein Mal konzentriert und mit kritischer Betrachtung von vorne bis hinten durchspielen

Auf geht’s, Buam!

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Der Deutsche Herbst

22. Februar 2009 · Kommentar schreiben

Keine Angst, das wird hier kein Geschichts- oder Politikblog. Aaaaaaaaber:

  • Beim Deutschlandradio Kultur gibt es eine interessante Artikelserie zum Deutschen Herbst. Sehr lesenswert!
  • Bei Spreeblick gibt es ein exzellentes Video von Jonathan Jarvis zu sehen, der die Finanzkrise erklärt. 11 Minuten gute Grafiken, die viel zum Verständnis beitragen. (Allerdings lohnt es sich, parallel einige Übersetzungen nachzuschlagen, sonst steigt man geistig sehr früh aus. Kleine Hilfe: „mortgages“ sind Hypotheken)

    (Direkt bei Vimeo sehen)

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Hohenschönhausen

21. Februar 2009 · Kommentar schreiben

Das Deutschlandradio Kultur hat eine Sendereihe namens „Hintergrund Politik“, die ich sehr gelungen finde. In 18 Minuten werden dort – wie der Name schon sagt – viele Hintergrundinformationen zu einem politischen Thema vermittelt.
Bei der aktuellen Sendung Die Schönfärber. Über Versuche, die DDR-Geschichte umzudeuten beschäftigt man sich mit dem ehemaligen Stasi-Gefängnis Höhenschönhausen, das heute von Zuschauergruppen besichtigt werden kann. In diesem Umfeld versuchen ehemalige Stasi-Offiziere, ihre Sicht der Dinge darzulegen und die Geschichte der DDR aufzuhübschen. Der Text des Beitrags ist komplett online verfügbar, alternativ lässt er sich hier im MP3-Format herunterladen.

Die Aktionen der DDR-Freunde erscheinen umso absurder, wenn man selbst das ehemalige Stasi-Gefängnis besucht hat. Im Rahmen unserer Fahrt nach Berlin waren wir als Sozialkunde/Geschichte-LK auch dort und haben einen sehr intensiven Einblick in die Geschichte der DDR und in persönliche Schicksale bekommen.
Unser Führer war ein ehemaliger Häftling (alle waren dort inhaftiert, wenn auch teilweise nur für wenige Monate), der uns von seinem Schicksal ezählte. Geboren in der DDR, flüchtete er in den 1950er Jahren in den Westen, weil man im Osten sehr hart gegenüber jugendlichen Subkulturen vorging.
Später kam er geschäftlich des Öfteren in die DDR und half dabei immer wieder Freunden bei der sogenannten „Republikflucht“, also der Flucht in die BRD. Als er schließlich seine eigene Schwester im Auto in den Westen schaffen wollte, wurde er verhaftet und zu einer hohen Gefängnisstrafe verurteilt. Was mich am meisten beeindruckt hat: Für mich sah es so aus, als ob er sich im Gefängnis nicht hätte brechen lassen. Er spottete über die Bürokraten und die Zellenschließer, einzig die Stasi-Offiziere, die die Untersuchung führten und ihn zu einem IM machen wollten, flößten ihm ein gewisses Maß an Respekt ein. In einer solchen Umgebung seinen Charakter zu behalten ist eine Kunst. Und wenn der Mann davon erzählte, dass die Anklage auf 8-fache Beihilfe zur Republikflucht lautete, er aber tatsächlich mehr als 40 Menschen den Weg in die BRD geebnet hatte, dann fühlt sich das an wie ein kleiner Triumph.

Ich weiß nicht, wie viel Zeit wir für die Führung hatten, aber irgendwann haben wir begonnen, immer mehr zu fragen und ich war sehr gefesselt von dem Schicksal dieses Mannes. Dass er dann gegen Ende erzählte, dass er heute arbeitslos ist, während er sieht, wie ehemalige Mitglieder des MfS (Ministerium für Staatssicherheit, genannt Stasi) gut bezahlt in Büros sitzen und ihre Vergangenheit einfach so hinter sich lassen können, hat dann auch noch eine gewisse Wendung in die ganze Geschichte hineingebracht.

Die Geschichte der DDR gerät hierzulande oft in Vergessenheit, es gibt ein gewisses nostalgisches Bild und allenfalls denkt man an einen Staat von Bürokraten und Schreibtischtätern. Mit welch perfiden Methoden aber das Leben von Menschen, die einfach nur Freiheit wollten, zu vernichten versucht wurde, das gerät oft in Vergessenheit. Zu oft.

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Ferien? Eher nicht.

20. Februar 2009 · Kommentar schreiben

Offiziell sind in Bayern jetzt erst einmal eine Woche Faschingsferien, die Realität sieht für mich etwas anders aus. (Die letzten Tage war ich nicht in Schreiblaune, deswegen ein kleiner Nachklapp.)

Ich überlege gerade, wie man es angenehm zweideutig formuliert, dass man jetzt auch die Mädelsdusche vom Hallenbad von innen kennt. Meine ganzen (Formulierungs-)Versuche waren aber Murks und deswegen bleibt das jetzt so stehen und jeder kann sich seine eigene kleine Geschichte dazu ausdenken. :-D Eigentlich könnte ich die Spekulationen noch etwas anheizen, indem ich hinzufüge, dass sich gleich zwei junge und gutaussehende Damen meine Anwesenheit wünschten… :-D

Donnerstag hatten wir die beste Sozialkunde-Stunde seit langem. Großes Thema war natürlich die Schaeffler-Demo vom Vortag, die meiner Meinung nach ganz gelungen eingeordnet und in den Unterricht eingebunden wurde. (Könnte aber auch daran liegen, dass ich als Interviewer ziemlich unter Strom stand und keine Sekunde Zeit hatte, um mich zu langweilen, was vielleicht auf den Bänken passierte – aber da weiß ich nix, da konnte ich nicht darauf achten.) Und dass wir dann sogar noch den Bogen zum tatsächlichen Stoffgebiet gekriegt haben, war schon ziemlich gut. So macht das Spaß! :-D

Spitzenmäßig war heute auch mein Schultag: von 6 Stunden sind 4 ausgefallen, ich musste nur für Deutsch erscheinen (aber der Herr Tichi ist sowieso nie krank, das grenzt schon an ein Wunder). Englisch (mündliche Prüfung der 10. Klassen), Bio (soweit ich weiß eine Sitzung) und Mathe (irgendwas, stand aber auch schon vorher fest) fanden nicht statt, weswegen ich länger schlafen und früher heimgehen durfte.

Die vierte frohe Botschaft kam vorhin per E-Mail. Nur so viel:

Hallo Herr Alletsee,
sie haben Glück. Sie werden voraussichtlich als einzige Ferienkraft eingestellt.

Der Rest von der Nachricht war dann nur noch so mittelwichtig, die paar Zeilen haben mir aber auf jeden Fall den Tag heute versüßt.

Daneben gibt’s aber auch Bad News, konkreter: Die Mathe-Klausur nach den Ferien. Ich hab vorhin angefangen, den Stoff zusammenzufassen. Und: Das ist ganz schön viel, sehr viele Spezialfälle etc. Lustig wird das mit Sicherheit nicht. Erschwerend kam noch hinzu, dass mein Bruder sich immer dann mit seinem neuen Autorennspiel beschäftigte (und den Bass aufdrehte), als ich Mathe machen wollte. Hrmpf. Dann halt morgen weiter. Hoffentlich.

Um jetzt (gegen Ende des Beitrags) mal auf die Überschrift zurückzukommen: Ferien wird man aus meiner Sicht die nächste Woche wohl nicht nennen können. Wir haben drei bis vier Theaterprobentage geplant, dazu muss mein Auto in die Werkstatt und zum TÜV (habe mit Schrecken festgestellt, dass das nur noch für den Februar TÜV hat – argh!), zwei Klausuren (Mathe hab ich ja schon erwähnt, dazu Reli) wollen vorbereitet werden, ich hatte mir vorgenommen, meine Berichte über Kollegiaten für die Abi-Zeitung zu schreiben (und evtl. einen von zwei LK-Berichten), daneben muss auch noch einiger Abi-Zeitungs-Orga-Kram erledigt werden und außerdem fahr ich in der Woche nach den Ferien einen Tag nach Konstanz, wo noch einiges organisiert und geordnet werden muss. „Ferien“ sehen anders aus, es sind eher Nicht-Schul-Tage, die anderweitig mit Arbeit befüllt sind.

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