Max macht Abitur

Die neue Tomte-Platte „Heureka!“ in der Kurzkritik

10. Oktober 2008 · Kommentar schreiben

Vorhin lag sie in der Post, die neueste Tomte-Veröffentlichung. „Heureka!“ heißt sie, in der Lied-für-Lied-Kritik ist sie. Los geht’s!

Heureka!
Der Titelsong beginnt mit Gemurmel („seltsam, seltsam…“), dann setzt das Klavier ein. Thees Uhlmanns Stimme ist präsent, der Text manchmal etwas weniger dicht als gewohnt, die Reime wirken manchmal bemüht. Der einsetzende Bass zerstreut die Bedenken, er grummelt sehr dynamisch in den Tiefen und zieht den Song nach vorne. Der Refrain setzt unvermittelt ein und irritiert zu Beginn, gegen Ende wird er wieder Tomte-typischer.
Man kann schon mal festhalten: Schlagzeug und Bass kommen sehr gut raus, der Klavierbeginn ist sehr schön, aber das Tastengeklimper nutzt sich im Verlauf etwas ab.

Wie ein Planet
Sehr bluesiger Beginn. Irgendwie ganz anders, als man es erwartet hatte (die Akustik-Fassung klingt sehr anders). Wieder ein wunderschöner Schlagzeug-Part, Max-Martin Schröder leistet ganze Arbeit. Der Text klingt nach Tomte, die Musik irgendwie auch, aber doch anders. Wieder kommt dem Bass enorme Bedeutung zu. Während den Strophen zieht sich das Lied etwas, um dann wieder Fahrt aufzunehmen. Sehr große Zeile: „Mein Herz ist schwer / Wie ein Planet.“

Der letzte große Wal
Das Lied war ja größtenteils schon vorher bekannt. Bislang das Lied, das am meisten nach den gewohnten Tomte klingt. Am Schlagzeug rappelt es. Irgendwie hört man relativ wenig Gitarren. Spielt Thees überhaupt?

Wie sieht’s aus in Hamburg?
Ein Sehnsuchts-Song. Muss man nicht mögen. Ich tu’s übrigens nicht. Thees macht seine Stimme künstlich matschig, ein Background-Chor (weiblich) macht den Song noch weicher. Nicht mein Fall. Hat was Esoterisches, hat was von Kinderlied. Weiter, bitte!

Voran Voran
Beginnt sehr langsam. Uhlmann endlich wieder ohne glattgebügelte Stimme. Wieder ein sehr angenehmer Schlagzeugpart. Ein sehr beschaulicher Song, Thees dehnt Vokale ins Unendliche. Zwischendurch sehr romantisch, der Refrain ist etwas seltsam. Kann man machen, muss man nicht.

Küss mich wach, Gloria
Aufwachen! Endlich wieder etwas dynamischer. Denkste. Wird doch wieder ruhig. Oder doch nicht? Zumindest wird es nach zwei belangloseren Songs wieder etwas interessanter. Erst mal abwarten. „Du nennst es Pathos / Und ich nenn es leben.“ Endlich wieder eine einprägsame Zeile.
Klingt ganz ordentlich. Geht’s jetzt wieder besser weiter?

Es ist so, dass du fehlst
Akustik-Geschrammel mag ich irgendwie. Warum verschleppt Tomte die Songs alle so? Irgendwie ist da immer gehörig die Handbremse drin, wahrscheinlich beabsichtigt. Der Gaul Melancholie wird geritten, bis er nicht mehr mag. „Du bist das Beil / Ich bin der Wald.“ Endlich wieder Metaphern-Zeit!
‘tschuldigung, aber ich schlafe echt gleich ein.

& ich wander
Wird es jetzt tatsächlich besser oder täuscht der Eindruck? „Halte dein Kind wie einen Pokal.“ Jawoll! Gitarren-Geniedel, aber gutes. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass man die Hälfte des Albums auch dazu benutzen könnte, um Kindern beim Einschlafen zu helfen. Kein gutes Zeichen, so eine Altersmilde.

Du bringst die Stories (Ich bring den Wein)
Es klingt wieder nach Tomte, nach Tomte, die aufgewacht sind. Aber das klang es schon ein paar Mal und direkt danach sind die Jungs jedes Mal direkt wieder eingenickt. Dieses Mal aber zum Glück nicht. Einer der besseren Songs des Albums.

Das Orchester spielt einen Walzer
Düsterer Beginn, sehr getragen. Irgendwie hat man das Gefühl, das Album ist unter dem Einfluss von Beruhigungstabletten entstanden. Nach 2:30 endlich wieder angenehmer Pathos, es wird dramatischer.
Fazit: Ab 2:30 okay, vorher grausam. Sorry.

Nichts ist so schön auf der Welt wie betrunken traurige Musik zu hören!
Wieder langsam. Wo ist der alte Schwung hin? Ich hab mir inzwischen Kaffee geholt, anders packe ich das Album nicht. Muss mich korrigieren: Nach 3:20 wird es besser, die Dynamik kommt rein und das Ding wird echt gut! Warum immer so spät? Warum ist kein Lied dabei, das von vorne bis hinten sitzt?

Dein Herz sei wild
Da ist sie, die Tempo-Nummer, für Tomte-Verhältnisse. Dezente Trommelei, ein cooler Bass, Akzente von der Gitarre, Uhlmann singt großartig. Geht doch, geht doch!

Voran Voran (laut)
Der Bonus-Track ist die tausendmal bessere Variante des Lieds. Macht Spaß zu hören! Tomte kann also doch noch! Tomte schläft noch nicht!

FAZIT: Zwischendrin verschlafen, sehr verschlafen. Lieben werde ich das Album wohl nicht so schnell. Ein paar gute Lieder sind dabei, natürlich „Der letzte große Wal“, aber auch „Heureka!“, „Wie ein Planet“ und „Voran voran (laut)“.

Kategorien: Max hört Musik
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