Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nicht über die Arbeit zu schreiben – aber heute bietet es sich einfach an. Alles fing damit an, dass Tobias und ich um viertel vor zwölf ins Büro der Chefs gerufen worden. Es ging darum, dass für zwei Uhr eine Besprechung mit deren Chefs angesetzt sei und man die Atmosphäre aufzulockern gedenke, in dem man Eisbecher servieren würde. Wir sollten dafür sorgen, dass die Eisbecher pünktlich auf dem Tisch stehen – wie genau das von sich gehen sollte, blieb uns überlassen.
Also ging es ab in die Fußgängerzone in die erstbeste Eisdiele, Toscani, wo wir unser Vorhaben erklärten. Wir dachten an in Gläsern servierte Eiskreationen und erkundigten uns nach den Vorstellungen der Eisdiele, wie man das kühl zu transportieren gedenke.
Allerdings bremste uns eine Angestellte, die sich wie die Chefin des Ladens gebärdete, aber es nicht war, wie sich später herausstellen sollte. Glasbecher gingen nicht, aber sie könnte Pappbecher anbieten. Nicht so schön. Der Transport sei kein Problem, das Eis halte mindestens eine halbe Stunde. Die Zahl hielt ich für genauso fischig wie ihre Ansage, die vier Eisbecher in 20sek zu produzieren. Allgemein wurden wir etwas komisch behandelt, was uns nach einer 10-minütigen Mittagspause (kaufen, essen, fertig) dazu brachte, noch eine zweite Eisdiele aufzusuchen. In den Arcaden gingen wir in die Eis-Lounge +49, wo der Chef auf uns zukam und gemeinsam mit uns überlegte, wie man alles kühl halten könne. Wenn wir uns früher bei ihm gemeldet hätten, hätte er eine entsprechende Kühlbox mit Halterungen mitbringen können, aber heute war es zu kurzfristig (das Eis musste in einer Stunde auf dem Tisch stehen). Wir überlegten verschiedene Kühlmöglichkeiten (u.a. der Transport in gekühlten Eis-Bottichen), aber letztlich war keine praktikabel. Wir taten also alles, was vor Ort möglich war: Alles im Vorfeld gut kühlen (von Gläsern mussten wir auf Plastikbecher ausweichen), alles zusammenstellen, wieder kühlen – und wir mussten schnell laufen. Klappte letztlich auch ganz gut, wenn auch nicht ganz perfekt. Aber: Wir hatten bei der ganzen Sache ein viel besseres Gefühl.
Während die Toscani-Leute uns mit der „Machen wir nicht! Haben wir nicht!“-Haltung begegneten, kamen die +49-Leute offen auf uns zu, überlegten, was man tun könne, redeten mit uns und nahmen unser Problem ernst – und das, obwohl sie auch noch andere Kunden zu bedienen hatten und wir mit unseren vier Eisbechern wohl nur einen Bruchteil der Tageseinnahmen ausmachen dürften.
Es klingt wie Schleichwerbung, aber: Bei der Eislounge +49 habe ich mich gut aufgehoben und ernst genommen gefühlt, bei Toscani eher nicht. Und damit ist für mich klar, wo ich mein nächstes Eis in Erlangen essen werde (nebenbei sah das Eis auch noch extrem lecker aus, vor allem die Sorten Cookies und Nougat – und der „Banana Cup“ enthielt echt viele Bananen, richtig lecker!)…
Das für mich im Nachhinein Kurioseste aber zum Schluss: Mitten in Erlangen scheint es nicht möglich, vier Eisbecher fünf Minuten lang gekühlt zu transportieren. Zwei Stunden Aufwand, Anstrengung, Nachdenken waren nötig, um das Ergebnis zu erreichen. (Dafür zeigten sich die Chefs auch erkenntlich und steckten uns nach der Besprechung ein sauberes Trinkgeld zu…
)
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