Max macht Abitur

Beiträge vom August 2008

12/2 – Zeugnis

24. August 2008 · 2 Kommentare

Ich habe mich einige Wochen lang mit anderen Dingen beschäftigt, aber heute abend wollte ich ihn dann doch wissen: meinen Schnitt. Ich hatte mein Zeugnis zuvor maximal eine Minute lang angesehen, hatte also keine Ahnung.

  • LK Deutsch: 25 Punkte
  • LK Sozialkunde/Geschichte: 23 Punkte
  • GK Mathematik: 11 Punkte
  • GK Englisch: 13 Punkte
  • GK Biologie: 9 Punkte
  • GK Chemie: 9 Punkte
  • GK Wirtschaft: 12 Punkte
  • GK Religion: 14 Punkte
  • GK Kunst: 11 Punkte
  • GK Dramatisches Gestalten: 15 Punkte
  • GK Volleyball: 11 Punkte
  • Im Schnitt: 11,73 Punkte (mit doppelt gezählten LKs: 11,77).
  • Im Schnitt in Noten: 1,732

Lief irgendwie besser als gedacht… :-D

Kategorien: GK Bio · GK Chemie · GK Dramatisches Gestalten · GK Englisch · GK Kunst · GK Mathe · GK Reli · GK Volleyball · GK Wirtschaft/Recht · LK Deutsch · LK Sozialkunde/Geschichte · Max erklärt
Mit Tag(s) versehen: ,

Geschichten von Erlanger Eisdielen

20. August 2008 · Kommentar schreiben

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nicht über die Arbeit zu schreiben – aber heute bietet es sich einfach an. Alles fing damit an, dass Tobias und ich um viertel vor zwölf ins Büro der Chefs gerufen worden. Es ging darum, dass für zwei Uhr eine Besprechung mit deren Chefs angesetzt sei und man die Atmosphäre aufzulockern gedenke, in dem man Eisbecher servieren würde. Wir sollten dafür sorgen, dass die Eisbecher pünktlich auf dem Tisch stehen – wie genau das von sich gehen sollte, blieb uns überlassen.

Also ging es ab in die Fußgängerzone in die erstbeste Eisdiele, Toscani, wo wir unser Vorhaben erklärten. Wir dachten an in Gläsern servierte Eiskreationen und erkundigten uns nach den Vorstellungen der Eisdiele, wie man das kühl zu transportieren gedenke.
Allerdings bremste uns eine Angestellte, die sich wie die Chefin des Ladens gebärdete, aber es nicht war, wie sich später herausstellen sollte. Glasbecher gingen nicht, aber sie könnte Pappbecher anbieten. Nicht so schön. Der Transport sei kein Problem, das Eis halte mindestens eine halbe Stunde. Die Zahl hielt ich für genauso fischig wie ihre Ansage, die vier Eisbecher in 20sek zu produzieren. Allgemein wurden wir etwas komisch behandelt, was uns nach einer 10-minütigen Mittagspause (kaufen, essen, fertig) dazu brachte, noch eine zweite Eisdiele aufzusuchen. In den Arcaden gingen wir in die Eis-Lounge +49, wo der Chef auf uns zukam und gemeinsam mit uns überlegte, wie man alles kühl halten könne. Wenn wir uns früher bei ihm gemeldet hätten, hätte er eine entsprechende Kühlbox mit Halterungen mitbringen können, aber heute war es zu kurzfristig (das Eis musste in einer Stunde auf dem Tisch stehen). Wir überlegten verschiedene Kühlmöglichkeiten (u.a. der Transport in gekühlten Eis-Bottichen), aber letztlich war keine praktikabel. Wir taten also alles, was vor Ort möglich war: Alles im Vorfeld gut kühlen (von Gläsern mussten wir auf Plastikbecher ausweichen), alles zusammenstellen, wieder kühlen – und wir mussten schnell laufen. Klappte letztlich auch ganz gut, wenn auch nicht ganz perfekt. Aber: Wir hatten bei der ganzen Sache ein viel besseres Gefühl.
Während die Toscani-Leute uns mit der „Machen wir nicht! Haben wir nicht!“-Haltung begegneten, kamen die +49-Leute offen auf uns zu, überlegten, was man tun könne, redeten mit uns und nahmen unser Problem ernst – und das, obwohl sie auch noch andere Kunden zu bedienen hatten und wir mit unseren vier Eisbechern wohl nur einen Bruchteil der Tageseinnahmen ausmachen dürften.

Es klingt wie Schleichwerbung, aber: Bei der Eislounge +49 habe ich mich gut aufgehoben und ernst genommen gefühlt, bei Toscani eher nicht. Und damit ist für mich klar, wo ich mein nächstes Eis in Erlangen essen werde (nebenbei sah das Eis auch noch extrem lecker aus, vor allem die Sorten Cookies und Nougat – und der „Banana Cup“ enthielt echt viele Bananen, richtig lecker!)…

Das für mich im Nachhinein Kurioseste aber zum Schluss: Mitten in Erlangen scheint es nicht möglich, vier Eisbecher fünf Minuten lang gekühlt zu transportieren. Zwei Stunden Aufwand, Anstrengung, Nachdenken waren nötig, um das Ergebnis zu erreichen. (Dafür zeigten sich die Chefs auch erkenntlich und steckten uns nach der Besprechung ein sauberes Trinkgeld zu… :-D )

Kategorien: Max arbeitet bei Siemens · Max berichtet vom Tage
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , ,

Bei Siemens

14. August 2008 · Kommentar schreiben

Seit nun fast einer Woche bin ich wieder als Ferienarbeiter bei Siemens beschäftigt. Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich mehr Zeit und Muse zum Bloggen hätte, aber das ist nicht so und auch zu diesem Artikel heute hat mich eher mein Gewissen als meine Lust genötigt.

Also, fast eine Woche Siemens. Ich bin in der Abteilung beschäftigt, in der ich auch schon in den letzten beiden Jahren war. Neben mir gibt es noch einen weiteren Ferienarbeiter, Tobias, der auch schon im letzten Jahr hier gearbeitet hat. Ansonsten kennt man die Gesichter nach zwei Jahren ziemlich gut und ist immer wieder überrascht, wie viel sich in einem Jahr geändert hat.
Bei Siemens unterschreibt man mit dem Arbeitsvertrag auch ein Non-Disclosure Agreement, was bedeutet, dass der Inhalt meiner Arbeit nicht an die Öffentlichkeit gehört. Das heißt: Ich kann über meine Arbeit zunächst einmal nicht bloggen, zumindest nicht über den Inhalt. Allerdings kann ich sagen, dass ich mich in den vergangenen Tagen vor allem mit Excel-Listen und Kabeln beschäftigt habe.

Nach der Arbeit hatte ich eigentlich noch einiges für die Schule machen wollen (Facharbeit, Deutsch-LK, …), aber ich war abends irgendwie nie in der Stimmung dafür. Heute habe ich mich gezwungen, weiter an meinem Facharbeits-Material zu arbeiten. Aber ganz ehrlich: Ich würde gerne irgendwie mehr Dinge erledigen…

Kategorien: Max arbeitet bei Siemens
Mit Tag(s) versehen: , ,

Moscow calling!

9. August 2008 · Kommentar schreiben

Fast drei Monate ist es nun her und endlich erscheint der passende Artikel hier im Blog, aus vielerlei Gründen. Einerseits war ich mir lange unsicher, ob ich überhaupt etwas über Moskau schreiben sollte, denn der richtige Aufhänger, die richtige Story war einfach nicht da. Zweitens ist Moskau für mich kein abgeschlossenes Thema – in wenigen Wochen kommen die Russen nach Deutschland. Drittens ist ein gehöriges Maß an Zensur nötig. Ich kann nicht einfach frei meine Gedanken schreiben, denn ich muss damit rechnen, dass diesen Text einige Personen lesen werden, von denen ich es nie gedacht hätte und die ihn falsch verstehen oder denken, dass sie darin schlecht wegkommen.
Deswegen eines vorneweg: Ich habe mich mit diesem Text abgekämpft, jeden Satz untersucht und jedes Wort drei Mal umgedreht. Und ja, dieser Text ist zensiert. Er basiert auf meinen Tagebuchnotizen, die ich an jedem Abend in Russland angefertigt habe. Gegengelesen, neu zusammengestellt, in ganze Sätze gepackt, fertig.

Samstag. Zehnter Mai 2008. Abflug.

Ich hatte einen Plan. Erst auf den Berch, also die Erlanger Bergkirchweih, dann direkt ab nach Russland. Gut, mein erster Plan sah vor, gemeinsam mit den anderen Russland-Fahrern auf den Berch zu gehen, aber da niemand so wirklich zog, trommelte ich am Ende die Leute von der Wasserwacht zusammen und machte mich auf den Weg nach Erlangen. Wir wollten einen Tisch und fanden keinen, trennten uns schließlich auf und fanden nicht mehr zusammen. Mit Martina lief ich den Herren Fleischer, Gulden und Kutscher über den Weg, im Laufe des Abends gesellten sich immer mehr aus Martinas Klasse hinzu. Eine lustige Truppe, mit der ich einmal quer über das Gelände tingelte.
Um 23 Uhr machen die Bierzelte traditionell dicht, gemeinsam mit dem Menschenstrom bewegten wir uns Richtung Innenstadt, wo in Kneipen und Bars weitergefeiert wurde. Wir ergatterten einen Platz im Galileo, wo wir es etwas ruhiger angehen ließen. Ich fuhr mich und die anderen nach Hause, um mich noch eine halbe Stunde hinzulegen (was nicht geplant war) und meinen Koffer zu holen (was geplant war). Ohne meinen Wecker hätte ich wohl verschlafen, aber so wuchtete ich in der Kühle der Nacht mein Gepäck ins Freie und fuhr nach Höchstadt, wo wir uns alle treffen wollten. Ich war unter den ersten und so langsam schlugen immer mehr verschlafene Gestalten auf. Die meisten von ihnen waren früh ins Bett gegangen und hatten versucht vorzuschlafen, was aber dazu führte, dass sie mitten aus ihrer Tiefschlafphase gerissen worden und dementsprechend mies gelaunt waren. Ein Teil hatte – ähnlich wie ich – den Abend zu überbrücken versucht, hatten DVDs geschaut, waren auf Parties oder wie ich auf dem Berch gewesen (Stefan bin ich dort sogar noch über den Weg gelaufen). Jetzt am Bus waren alle blass und müde, die Unsicherheit, was uns in Russland erwarten würde, war zu spüren. Die ersten Lacher, als Johannes Kotzer Zahnbürste und Duschgel vergessen hatte (wenn ich mich richtig erinnere, hat er am Münchener Flughafen am Ende 13€ dafür ausgegeben…).

Im Bus wurde die Stimmung gelöster, Gespräche begannen, wurden aber meistens nach einer halben Stunde wegen Müdigkeit beendet. Ausnahme: Die Mädels, die sich bei Joghurt, Früchten und Müsli weiter unterhielten, sich aber irgendwann in den vorderen Teil des Busses verzogen. Der ist neu und top-modern, viel Platz und 4er-Tische, angenehme Sitzabstände. So wünscht man sich das! Nach etwa einer halben Stunde schlief ich ein und wachte erst in München wieder auf, als der Flughafen schon fast in Sichtweite war. Dort wachten dann langsam alle auf. Die kühle Morgenluft im Erdinger Moos belebte, die Koffer in der Hand auch. Russland war greifbar nah, tausende von Kilometern weg und doch nur ein Flugzeug entfernt.

Der Lufthansa-Schalter war schnell gefunden, eine Starbucks-Filiale allerdings nicht. Kaffee gab es nur bei einer Bäckerei-Kette und dort sah er nicht sonderlich apettitlich aus. Wir verschoben die erste Tasse des Morgens auf das Frühstück an Bord unserer Lufthansa-Maschine. Wir passierten diverse Sicherheitskontrollen, legten Gürtel, Geldbeutel, Schlüssel und anderen Metallkram auf Förderbänder, um kurz darauf wieder alles zu verstauen – die nächste Personenkontrolle kommt bestimmt! Irgendwann waren wir durch, keiner wurde als Terrorist aussortiert und Johannes kann sich im Duty-Free-Shop mit überteuerter Zahnpasta eindecken. Ins Flugzeug konnten wir noch nicht, also stromerten wir durch das Terminal, gingen noch einmal aufs Klo und nahmen die ausliegenden Zeitungen mit (ich entschied mich für die FAZ). An Bord wuchs die Anspannung. Das Flugzeug war mittelgroß und sah von der Innenraumgestaltung nach den 80er Jahren aus. Uns wurden die Sicherheitsregeln erklärt (Handy ausschalten, blabla), danach wurde alles noch einmal auf Englisch runtergenuschelt. Wir rollten einmal quer über den Flughafen, standen schließlich auf unserer Startbahn und gaben Gas, bis die Maschine abhob. Auf Wiedersehen Deutschland!
Am Anfang beobachtete ich durch das Fenster die Landschaft und machte mir Gedanken, ob freiliegende Kabel in den Tragflächen so sinnvoll waren, irgendwann wurde ich aber auch wieder müde und schlief erneut ein. Als es Frühstück gab, war ich wieder wach und orderte Rührei. Das war dampfend heiß und mit Gemüse versehen – eigentlich hatte ich Speck erwartet, aber die vegetarische Variante war auch in Ordnung und eigentlich besser als gedacht. Kurz darauf war es auch Zeit für den ersten Kaffee. Ich las in der FAZ, nickte irgendwann noch einmal ein und langweilte mich. Gegen Mittag landeten wir in Moskau. Die Stadt lag unter einer dicken Wolkendecke und der Pilot schien wohl etwas zu spät gemerkt zu haben, dass er mal langsam Höhe verlieren müsste – was dazu führte, dass wir einen heftigen Sinkflug starteten, bei dem ein unfassbarer Druck auf dem Trommelfell entstand. Ich hörte teilweise nur noch undeutlich, es schmerzte richtig und wurde auch unmittelbar nach der Landung nicht besser. Den Anderen ging es ähnlich, einige hatten Probleme mit den Augen und ihren Kontaktlinsen. Ich probierte mehrfach den Taucher-Druckausgleich (alles zuhalten und so tun, als würde man Luft durch die Nase ausatmen – der Wasserwacht sei Dank!), der auch etwas weh tat, aber schließlich doch funktionierte. In der Schlange am Einreiseschalter war ja genügend Zeit dafür. In der gleichen Schlange aber auch der erste Kulturschock: Ich verstand nichts. Alle Schilder waren kyrillisch, wir buchstabierten wie die Erstklässler.
Am Flughafen erhielt ich eine SMS von meinem Mobilfunkanbieter, congstar: Man habe festgestellt, dass ich mich im Ausland befände und hätte diesbezüglich einige Informationen für mich, die ich erhalten würde, wenn ich eine bestimmte kostenlose Nummer wähle. Natürlich will ich die sofort haben, aber dann heißt es: Tut uns Leid, diese Nummer ist aus dem Ausland nicht erreichbar. Sinn?!

Ein Bus holte uns mit unserem Gepäck ab, ein älteres Modell, mehr Linien- als Reisebus. Wir quetschten uns in die engen Reihen (nicht alle, ein paar wurden schon am Flughafen mit dem Auto abgeholt), die Fahrt begann. Das Ziel war unbekannt, eine russische Lehrerin war mit an Bord. Wir sollen zu unseren Gastfamilien gebracht werden, fuhren aber erst einmal auf einer Art Bundesstraße, bestimmt eine halbe Stunde lang, und bejubelten jedes deutsche Werbeplakat am Straßenrand. Wir sahen die neue russische Architektur, Villen aus Backstein und Glasbauten. Vieles befindet sich noch im Bau, wirkt nicht ganz fertig. Wir fahren, irgendwann sollten die ersten aussteigen, ihre Austauschpartner erwarteten sie. Es wurde leerer im Bus, mir selbst etwas mulmiger. Bei jedem „Bis Montag!“, das den Aussteigenden hinterhergerufen wurde, wurde mir etwas unwohler. Ich hatte im Vorfeld nichts über meine Austauschpartnerin erfahren, wusste ihren Namen, ihr Alter und ihren Wohnort. Andere hatten schon länger per E-Mail Kontakt.
Irgendwann stiegen auch die Lehrer aus. Ich War unruhig. Mitten in einem fremden Land, nur noch fünf Deutsche um mich herum, ich wusste nicht, wohin ich fahre und was mich dort erwartete. Irgendwann sollten auch die Letzten aussteigen, nur ich sollte noch sitzenbleiben. Ich kam mir langsam vor wie in einem schlechten Film. Dann sollte ich doch aussteigen, hieß es. Man würde mich im Auto zu meiner Gastfamilie bringen. Inzwischen waren wir nicht mehr in Moskau, sondern in kleineren Dörfern angelangt. Die Straßen waren staubig, der Himmel spannte sich stählern (einen solchen beeindruckend grauen Himmel habe ich in Deutschland nicht gesehen). Die Wohnhäuser waren Plattenbauten, auf den Straßen ein für Russland typischer Mix: die neuesten Modelle von Mercedes und BMW neben alten Ladas und Wolgas, deren Auspuff schon abzufallen drohte.

Ich fuhr gemeinsam mit Stefan, Matthias Freundt sowie dessen Gastmutter und -schwester in einem neuen geräumigen Auto, das mich an die größeren Audi-Modelle erinnerte. Zu amerikanischem Softrock fuhren wir durch Wälder, bis wir schließlich an einem Bahnhof ankamen. Ich stieg aus, meine Austauschpartnerin hieß mich willkommen. Das Auto fuhr ab und zum ersten Mal bin ich in Russland relativ allein. Wir machten uns auf dem Weg zur Wohnung, die etwa 10 Minuten entfernt lag. Wegen meinem Koffer brauchten wir bestimmt eine Viertelstunde. Ich fand in diesem Moment alles um mich herum unglaublich spannend, der Ort atmete eine gewisse Atmosphäre, die ganz anders als Westeuropa ist.

Auf dem Weg zur Wohnung hatten wir kaum geredet, ich habe sofort Deutsch ausgelassen und war zu Englisch gewechselt. Im Park vor den Wohnanlagen kam uns die Mutter entgegen, sie hatte den Hund dabei. Sie hieß mich willkommen, der Hund bellte und knurrte. Ich bereute es, nicht in meinen Steckbrief geschrieben zu haben, dass ich Angst vor Hunden habe.
Die Wohnung selbst ist für deutsche Verhältnisse normal. Für zwei Personen – meine Gastschwester wohnt mit ihrer Mutter alleine – ist sie vollkommen okay, zu dritt ist auch alles im grünen Bereich. Die gesamte Wohnanlage bestand aus älteren Plattenbauten, die wahrscheinlich vierzig Jahre alt sind. In Deutschland wohne ich in einem Haus mit Garten, deswegen ist mir diese Enge etwas fremd.
Ich bekam ein eigenes Zimmer, wahrscheinlich hatte es zuvor meiner Gastschwester gehört. Es gab Tee und Kuchen, ich übergebe die Gastgeschenke.
Wir saßen gemeinsam im Esszimmer und tranken Tee, meine Gastschwester, ihre Mutter und ich. Beide stellten immer wieder Fragen an mich auf Englisch, ob ich Geschwister habe und so weiter. Ich erzählte etwas und fragte ein bisschen zurück. Die Beiden unterhielten sich nach meinen Antworten immer wieder auf russisch, ich saß daneben und verstand kein Wort. Und dennoch war ich mir ziemlich sicher, dass in diesen Momenten über mich geredet wurde, man merkte es am Tonfall, an den Seitenblicken.

Abends traf ich zum ersten Mal wieder andere Deutsche. Mir wurde angekündigt, wir würden spazieren gehen („We go for a walk…“), es ging zielstrebig zurück zum Bahnhof, wo wir kurze Zeit später Gudrun und Katharina mit ihren Russen trafen. Es war unheimlich schön, wieder Deutsch reden zu können, jeder erzählte von der eigenen Gastfamilie. Die Russen liefen los, wir im Abstand von drei Metern hinterher. Für uns Deutsche schockierend: Um auf die andere Seite des Bahnhofs zu gelangen, springt man einfach auf die Schienen und läuft einfach quer über die Gleise.

Sonntag. Elfter Mai 2008. Moskau.

Sonntag ist Familientag, wir fuhren nach Moskau. Mit dem Zug ging es los, wir trafen auf Katharina, Gudrun, Johanna, gegen Mittag kamen Silvie und Stefan hinzu. Wir sahen zum ersten Mal die Moskauer Metro, die mir unglaublich gefiel. Die Rolltreppen transportierten die Menschen mit einer irrsinnigen Geschwindigkeit nach unten, wo detailverliebte Stationen zu bewundern sind. An den Wänden sind Mosaike zu sehen, kommunistische Motive, die Idealisierung des Arbeiters und der Arbeit sowie Lenin als Person sind beliebte Motive der Mosaike an den Wänden.

Das Ziel des Vormittages war ein öffentlicher Park. Am Eingang sah es etwas nach Freizeitpark aus, doch wenn man weiterging verschwand dieser Eindruck. Wir stießen auf einen großen Sowjet-Bau, in dem eine Katzenausstellung stattfand. Verwirrte Gesichter bei den Deutschen. Ich stellte mir eine Vogelausstellung im Führerbunker vor… :-D
Am Vormittag wechselten wir Geld. Wir schoben Geld in einen Schlitz, warteten etwas, nahmen Rubel entgegen, hatten keine Ahnung, wie viel das war (aber vertrauten natürlich darauf, dass uns unsere Austauschpartner einen annehmbaren Kurs ausgesucht hatten) und gingen wieder. Erstaunlich unspektakulär.

Das Mittagessen nahmen wir im MacDonald’s ein, die Filiale war klein (etwa so groß wie die Burger-King-Filiale in Gremsdorf) und gestopft voll mit Menschen. Wir buchstabierten mühsam unser Essen zusammen und teilten es noch mühsamer den Angestellten mit, die kaum Englisch verstanden. Es war warm, es war laut, wir riefen Cheeseburger und wurden nicht verstanden. Irgendwann dann doch. Es gab Essen. Yeeha!

Nach dem Essen kamen Silvie und Stefan mit ihren Russen, ich kletterte mit den anderen in einen Mini-Van, wir machten eine Stadtrundfahrt mit dem Vater und der Großmutter von Johannas Russin. Die erste Station war das Denkmal für Zar Peter I., der in Holland Schiffszimmermann war, bevor er den russischen Thron bestieg. Diese Nähe zur Seefahrt taucht auch in dem Monument auf: Peter wird als Seefahrer am Ruder eines Segelschiffs dargestellt, gigantisch erhebt sich die Statue in den Himmel. Aus der Ferne sieht sie gar nicht so übermäßig groß, aber wenn man sich ihr nähert, dann bemerkt man, dass sie mindestens 70m hoch ist. Danach führte uns Mascha, Stefans Austauschpartnerin, in eine Straße, wo der russische Dichter Igor Puschkin gewohnt hatte.

Während wir gestern abend zu Gast bei Kathas Russe (Danjil) gewesen waren (eigenes Haus, auf jedem der drei Stockwerke eigenes Wohnzimmer mit Flachbildfernseher, Dienstmädchen etc.), gingen wir an diesem Abend zu Gudrun. Die Wohnung schien neu bezogen zu sein, aber war ähnlich geschnitten wie in Westeuropa, also ohne allzu kleine Zimmer. Als wir wieder gingen, war es schon spät, wir verpassten auch noch unseren Zug (bzw. dieser kam einfach nicht) und warteten deswegen mit Katha und Danjil am Bahnhof. Am Bahnhof schrieb ich eine SMS, dass meine Eltern bei mir anrufen sollten (SMS gingen, Telefonate nach außen nicht, Anrufe konnte ich aber entgegen nehmen).

Als wir in die Wohnung kamen, ist es schon spät. Den Park vor dem Haus umgingen wir, dort sollten sich nachts zwielichtige Gestalten herumtreiben. Ich schrieb bis nach Mitternacht Tagebuch und fiel dann ins Bett.

Montag. Zwölfter Mai 2008. Wiedersehen mit allen.

Zwar waren uns am Wochenende einige Deutsche über den Weg gelaufen, aber nicht alle und vor allem von den mitreisenden Lehrern hatten wir nichts gesehen oder gehört; entsprechend groß war die Vorfreude, alle wiederzusehen und allen von den Erlebnissen des Wochenendes zu erzählen. Doch der Morgen begann anders, es gab in unserem Wohnblock nämlich einen Stromausfall; das bedeutete, der Kühlschrank war ausgefallen und das Bad war ohne Licht (die Fenster waren sehr klein und ließen kaum Tageslicht durch). Also ein Morgen ohne Strom und mit einem raschen Aufbruch Richtung Schule.
Übrigens: So langsam begann ich auch, mich mit der Hündin (Aima) anzufreunden, sie schleckte immer wieder meine Hände ab und hing an mir wie eine Klette.

In der Schule redeten alle durcheinander, berichteten von ihren Familien und von den Aktivitäten des Wochenendes. Neben Katharina war auch Britta in einer reichen Familie gelandet: der Vater war der Leibwächter von Boris Jelzin gewesen, die Familie hatte Geld und konnte sich unter anderem ein Landhaus leisten, Britta berichtete auch von einem Kaviar-Frühstück. So sah es also aus, das neue reiche Russland. (Ich durfte die Eltern übrigens an den weiteren Tagen etwas kennenlernen, zwei sehr angenehme Menschen, die ihr Geld nach außen hin kaum zur Schau tragen, überhaupt nicht das Klischee des neureichen arroganten Russen erfüllen und sich wirklich unerhört gastfreundlich zeigen, Britta jeden Wunsch buchstäblich von den Augen ablesen.)

Danach ging es in ein Technik-Museum, das relativ frisch eröffnet worden war. Im Mittelpunkt standen eindeutig Autos, vor allem deutsche Modelle. Neben einer ganzen Reihe älterer Sportwagen besaß es auch Autos aus den 20er Jahren und welche, die von Prominenten benutzt worden waren (so zum Beispiel ein Auto Stalins oder der Wagen, in dem sich Yuri Gagarin nach seiner Rückkehr aus dem Weltall der Moskauer Bevölkerung zeigte).

Nachmittag besichtigten wir einen russischen Palast mit gewaltigem Garten, alles wirkte wie eine Kopie von Versailles, aber eine sehr gelungene. Was uns auffällt, als wir in der Sonne standen: Die Russen trinken verdammt wenig. Von den zwei Litern Flüssigkeit, die man in Europa schon Kindern einbleut, ist man hier weit entfernt.
Während der Führung bekam ich einen Anruf von daheim, etwa zehn Minuten konnte ich mit Deutschland reden. Danach stelle ich fest: Auslandstelefonate sind ordentlich teuer, mein Guthaben ist auf weniger als einen Euro reduziert, damit konnte ich nicht mehr nach Deutschland telefonieren.

Dienstag. Dreizehnter Mai 2008. Erneut Moskau.

Am Sonntag hatten wir die großen Sehenswürdigkeiten bewusst ausgespart, den Roten Platz und das Lenin-Mausoleum nicht gesehen. Das sollte nun nachgeholt werden. Die erste Überraschung für mich auf dem Roten Platz: Er ist nicht rot. Später erfuhren wir, dass rot in Russland ein Synonym für gut ist und der Name des Platzes daher kommt. Direkt am Roten Platz lag auch das Lenin-Mausoleum, in das wir hineingingen. Streng bewacht mit Sicherheitsschleuse und Soldaten im Inneren strahlte es eine sehr strenge Atmosphäre aus. Der rote und schwarze Marmor war massiv, das Dämmerlicht ließ eine etwas bedrückende Atmosphäre aufkommen. Im Gänsemarsch ging es langsam an Lenins Leiche (oder doch nur eine Wachspuppe?!) vorbei, in etwa einem Meter Entfernung lag sie sicher hinter Glas.

Danach gab es eine Führung am Kreml vorbei, das nächste Ziel war die vor wenigen Jahren neu errichtete Christus-Erlöser-Kathedrale, die wirklich beeindruckend war. So eine große Kirche hatte ich noch nie gesehen und im Inneren hatte man an Gold nicht gespart, im Gegenteil, man stellte den Reichtum richtiggehend zur Schau.

An der Universität bot sich ein fantastischer Blick über Moskau. Zu unseren Füßen stand das Olympiastadion, in dem eine Woche später das Finale der Champions League stattfinden würde. Moskau erstreckte sich soweit wir sahen, eine unfassbare Stadt.

Mittwoch. Vierzehnter Mai 2008. Neu Jerusalem & Theater.

Aima, die Hündin, weckte mich schon um 5 Uhr, von da an war kein Einschlafen mehr möglich. Und: Der Tag wurde lang, sehr lang. Am Vormittag waren wir im Kloster Neu-Jerusalem, danach standen wir an dem Punkt, an dem russische Soldaten im Zweiten Weltkrieg die Wehrmacht aufhielten. Es ist ein seltsames Gefühl, wenn man an diesem Punkt unweit von Moskau steht und daran denkt, dass ein unfassbarer Größenwahn deutsche Soldaten dazu brachte, dieses Gebiet tausende von Kilometern von Deutschland entfernt einnehmen zu wollen.

Abends gingen wir ins Moskauer Tschaikowski-Theater, wo wir (alle fein mit Anzug) eine Mischung aus russischen Volkstänzen, Ballett und verschiedenen Tänzen aus allen Gebieten der Erde zu sehen gab. Die Tänzer waren absolut großartig, es war eine unheimliche Energieleistung aller Akteure, die das Publikum bezauberten. Der Abend wird mir mit Sicherheit in Erinnerung bleiben.
Auf dem Heimweg wurde es dafür kalt, mit dünnem Anzughemd und Sakko fror man in der Kühle Nacht durchaus.

Donnerstag. Fünfzehnter Mai 2008. Tag im Bus.

Nach dem Empfang bei Bürgermeister und Landrat am Morgen besuchten wir noch das Bauman-Institut der Technischen Universität Moskau. Die einfach an den Wänden entlang verlegten Kabelstränge boten ein etwas merkwürdiges Bild, doch an der Universität wird unter anderem an modernster russischer Raketentechnologie geforscht (also sowohl für die Raumfahrt als auch für die militärische Verwendung).

Am Nachmittag wollte man uns die Gartenanlagen von Katharina der Großen zeigen, doch es war kalt, windig und die Anlagen zugig, der angepeilte Aufenthalt von zwei Stunden erschien uns um mindestens zwei Stunden zu lang. Also handelten wir die Zeit auf 15 Minuten runter, von denen wir fünf auf der Suche nach der Toilette verbrachten. Unser Plan für die nun zur Verfügung stehende Zeit: Souvenirs einkaufen.

Doch dann kam alles anders. Mit dem Bus gerieten wir in einen üblen Stau auf der Moskauer Stadtautobahn, wir standen drei (!!!) Stunden. Während wir uns im Stop-and-Go-Verkehr Meter für Meter nach vorne tasteten, schrieb ich die Rede für den Abschlussabend. Der Plan: Die Woche Revue passieren lassen, die Rede sollte von Pawlina (Ivos Austauchpartnerin) auf Deutsch und von Silvie auf russisch vorgetragen werden. Zwei Stunden reichten für das Konzept und zwei Bearbeitungen, am Abend in der Wohnung habe ich noch einmal daran gefeilt.
Beim Schreiben der Rede erfuhr ich, dass „Hoppala“ auf russisch ein derber Fluch ist. Pech für mich, der sich die ganze Woche lang „scheiße“ verkniffen hatte, weil er dachte, dass die Russen das kennen würden, und deswegen auf das vermeintlich harmlose „hoppala“ ausgewichen war. Jetzt wusste ich wenigstens, warum die Russen da immer gelacht hatten… ;-)

Zurück in Opalicha zeigte mir Mascha (Stefans Austauschrussin) einen Süßwarenladen, ich schlug spontan zu und kaufte ein halbes Kilo von meinen beiden Lieblingssüßigkeiten. In Süßkram sind die Russen ganz groß, da gibt es wirklich viele leckere Sachen, die man in Deutschland so noch nicht gegessen hat. Ich hatte mir in den letzten Tagen überlegt, keine Souvenirs, die daheim sinnlos herumstehen, zu kaufen, sondern Süßigkeiten, damit alle was davon haben. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte: irgendwie schmecken russische Süßigkeiten in Deutschland anders, ich bin mir bis heute nicht sicher, ob sie auf dem Flug leiden mussten oder ob wir das in Russland einfach nicht so wahrgenommen haben.

Freitag. Sechzehnter Mai 2008. Museum der Antifaschisten & Abschlussabend.

Der letzte Tag in Russland, ein total surreales Gefühl. Am Morgen besuchten wir das Museum der Antifaschisten, das von außen relativ klein aussah, im Inneren aber mit unglaublicher Qualität punkten konnte. Es gab total viele Plakate, Fotografien und Bildquellen, vergleichbares findet man in Deutschland vielleicht im NS-Dokuzentrum in Nürnberg (das russische Museum sieht von außen eher nach einem beschaulichen Heimatmuseum aus und hat permanent Geldsorgen).

Danach konnten wir Souvenirs einkaufen, ich habe vor allem bei den Süßigkeiten zugeschlagen. Nach der Werksbesichtigung von KLS, der russischen Tochterfirma von Martin Bauer, stand der Abschlussabend auf dem Programm. Er war wirklich gelungen, das Programm war wunderbar. Highlight war definitiv Ina Kusniezova, die etwa 80-jährige Autorin des Buches „Zone der Barmherzigkeit“, in dem sie von ihrem eigenen Schicksal als Ärztin in einem russischen Kriegsgefangenenlager, die Tag für Tag mit deutschen Ärzten und Patienten zu tun hatte (natürlich alles Gefangene, einige Söhne der Ärzte waren mit uns nach Russland geflogen und auch an diesem Abend anwesend). Die resolute ältere Dame ließ es sich nicht nehmen, sich mit klarer Stimme an uns zu wenden und ließ sich nur schwer von Frau Menzel, die für uns alles übersetzen wollte, aber verständlicherweise Probleme hatte, den Wortlaut des Redeschwalls im Kopf zu behalten, bremsen. Für mich wunderschön zu sehen, wie man noch in hohem Alter geistig fit und aufgeweckt sein kann.
Etwas ungewohnt: In Russland scheint es nicht als Unhöflichkeit zu gelten, sich während des Programms angeregt zu unterhalten oder mit dem Handy zu telefonieren. Meine Rede verschwand in diesem Wortschwall, was ich etwas schade fand, da Pawlina und Silvie wirklich ihr Bestes gaben – soweit ich das überblicken konnte.

Danach gab es (inoffiziell) ein Fußballspiel zwischen Russen und Deutschen, man hatte an den Abenden unter der Woche der gemeinsamen Leidenschaft zum Fußball gefrönt und wollte am letzten Abend ein Spiel gegeneinander austragen. In einer fairen Partie gingen die Deutschen 2:0 in Führung, überragend vor allem Tobias Finzel im Tor – doch dann schafften die Russen durch einen Doppelschlag binnen kürzester Zeit den Ausgleich. Es blieb lange bei diesem 2:2-Unentschieden und als es zu dunkel zu werden drohte, einigte man sich auf ein Elfmeterschießen, das die Partie entscheiden sollte. (Wir hatten vom Spielfeldrand immer wieder unsere Deutschen angefeuert und waren inzwischen schon alle stimmlich etwas angeschlagen.)
Kurz und gut, die Deutschen gewannen das Elfmeterschießen knapp nach mehreren Fehlschüssen.

Wieder kamen wir spät nach Hause, es war schon nach Mitternacht. Total unrealistisch, wenn man daran dachte, dass man „heute“ fliegen würde. Übrigens: In meinem Koffer waren zwei Kilo Süßigkeiten…

Samstag. Siebzehnter Mai 2008. Heimreise.

Es passierte nicht mehr viel. Den Koffer packen, sich verabschieden, ab zur Schule, noch einmal von allen verabschieden, in nicht einmal einem halben Jahr kommen die Russen nach Deutschland. Dann wieder Busfahrt durch Moskau, wir sammelten noch ein paar andere Deutsche und die Ärzte-Söhne auf, fuhren den Weg von vor einer Woche rückwärts. Der Flughafen kamen in Sichtweite, wir checkten ein. Auf einmal fühlte es sich gar nicht mehr nach Russland an.

Wir wollten unsere letzten Rubel ausgeben, suchten nach einem McDonald’s. Man sprach kein Englisch, weder in Läden noch am Informations-Schalter. Ich spürte Dankbarkeit, dass meine Woche nicht so verlief, sondern ich mich auf Englisch verständigen konnte. Ein englischer Reisender half uns, es gebe hier keine McDonald’s-Filiale.

Im Flugzeug las ich die Süddeutsche Zeitung, zum ersten Mal Nachrichten aus der Heimat seit einer Woche. Joachim Löw hatte den vorläufigen EM-Kader vorgestellt, wir rufen ihn uns quer durchs Flugzeug zu („Marko Marin! Gib dir das mal!“). Eine ältere russische Reisende neben mir fühlte sich offenbar durch mich gestört, ich setzte mich weg. Die Stimmung im Flugzeug war ausgelassen, die Vorfreude auf daheim groß. Russland war schön, aber Deutschland ist es auch. Es gab Essen, Nudeln; ich las DIE ZEIT, unterhielt mich mit einer deutschen Familie schräg hinter mir, gab dem Kind ein Balisto. Im Fünfminutentakt nervten wir die Stewardessen, ob man nicht irgendwie die Spielstände der Bundesliga ermitteln könnte, es war der letzte Spieltag der Bundesliga-Saison und der 1. FCN konnte sich noch vor dem Abstieg retten. Prinzipiell sei es möglich, an die Ergebnisse zu kommen, aber man brauche dafür etwas Zeit (die Piloten haben ja auch noch was anderes zu tun) und einen freundlichen Tower-Lotsen. Als wir schon fast nicht mehr daran denken wollten, kam eine Stewardess auf mich zu. Mich hätten doch die Ergebnisse interessiert. Sie überreichte mir einen kleinen bedruckten Zettel, etwa so groß wie eine Rechnung im Supermarkt. Darauf gedruckt waren die Spiele und ihre Endergebnisse. Der Glubb hatte verloren, Matthias Freundt brach in Tränen aus, der Abstieg war besiegelt. Der Zettel machte im Flugzeug die Runde, Tabellen wurden ausgerechnet.

Direkt nach der Landung in München telefonierte ich mit zuhause, dann mit Nadine. Ja, ich würde auf ihrer Hausparty heute abend vorbeikommen, und übrigens, ich brachte russische Süßigkeiten mit und verliebte mich spontan und unglücklich.

Im Flughafen lief die Sportschau, Gonzalo Castro hatte eine Großchance für Leverkusen. Ich fand eine Starbuck’s-Filiale, genehmigte mir einen Eiskaffee für die Busfahrt. Wollte ja noch auf die Party. Eine Busfahrt quer durch Bayern. Duschen, Süßigkeiten packen, ein frisches T-Shirt anziehen, los geht’s in die Nacht.

Kategorien: Max geht nach Russland · Max ist unterwegs
Mit Tag(s) versehen: , , ,

Eine Woche Zeltlager – vorbei

8. August 2008 · 2 Kommentare

Gestern abend ich wieder vom Wasserwacht-Zeltlager zurückgekommen. Die Kinder waren nett und brav, eine wirklich gute Mischung und deswegen hat mir auch das Programm so viel Spaß gemacht. Was allerdings weniger gut war: El Cheffe. Eine Woche lang nörgeln, mosern und lästern über alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Den Betreuern wird ins Gesicht gelogen, sie werden schikaniert, hinter ihrem Rücken wird wildfremden Personen von ihrer angeblichen Faulheit erzählt.

Der letzte Tag hat mir dann den Rest gegeben. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde ich die Wasserwacht Höchstadt verlassen und mir einen anderen Verein suchen. Ob Wasserwacht oder ein anderer Schwimmverein ist mir relativ egal, ich möchte nach Möglichkeit Jugendarbeit machen. Und: Ich bin nicht der Einzige, der geht. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Ortsgruppe Höchstadt mit unserem Abgang dem Tod geweiht sein – aber manchmal muss man alte Häuser einfach einreißen, um sie unter neuen Bedingungen neu aufzubauen.
Im Moment ist das Maß gestrichen voll – noch ein Tropfen und ich bin weg.

Für die Kinder tut es mir Leid, für den Rest nicht (die Leute, die mir wichtig sind, werden wohl auch nicht länger in der Ortsgruppe bleiben).

Kategorien: Max ist unterwegs · Max macht was anderes
Mit Tag(s) versehen: ,