Heute war ich nicht in der Schule, sondern - Befreiung sei Dank! - im Rahmen des Berufsinformationsprojekts der Rotarier unterwegs. Zunächst einmal nicht so weit, denn am Vormittag stand der Höchstadter Multmedia-Dienstleister ClipTrix auf dem Programm.
Die haben sich vor allem auf Videoproduktion verlegt, in erster Linie Imagevideos für Unternehmen oder Messepräsentationen. Das dritte Standbein sind die Multmedia-Ausstattung von Museen. ClipTrix sind zunächst einmal zwei Personen, zu denen je nach Bedarf freie Mitarbeiter hinzukommen.
Schon kurz nach der Begrüßung dann der erste Versuch, uns sieben Interessierte (eigentlich waren wir acht, aber einer kam nicht, warum auch immer…) zu schocken: 40-Stunden-Wochen sind entspannt, 50-bis-60-Stunden-Wochen sind der Regelfall, früher waren auch 70-oder-80-Stunden-Wochen verbreitet. Es fiel aber niemand vor Überraschung aus dem Sessel… Danach Einblicke in die Arbeit selbst. Wer sind die Kunden? (Neben Martin Bauer beispielsweise auch der Marktführer für Schokoladenverpackungen weltweit, im Imagevideo sind u.a. Produkte von Lindt und das halbe Aldi-Sortiment zu sehen) Wie viel kostet so ein Filmchen? (Wir sahen einen Film, der etwa zehn Minuten dauerte und circa 20.000€) Wie lange dauert die Produktion eines solchen Films? (Reine Arbeitszeit etwa ein Monat, real aber um die zwei Jahre, da bis zu 15 Projekte parallel laufen). Es stellte sich schon relativ früh heraus, dass man in dieser Branche auch vor allem durch Kontakte lebt. Einerseits vergeben die Kunden eher Aufträge in längeren Zyklen (der Vorgänger des 20.000€-Films war beispielsweise zehn Jahre alt) und deswegen ist eine große Zahl an Auftraggebern notwendig, andererseits wird für viele Produktionen Hilfe von außen benötigt, vom Sprecher bis zum Spezialisten für dreidimensionale Modelle.
Besonders interessant war ein geschildertes Projekt, das sich um die Multimedia-Möglichkeiten eines Barbarossa-Museums drehte. Die Verantwortliche von Museumsseite hatte einmal auf einer Ausstellung in Italien gesehen, wie eine Skulptur zu den Besuchern sprach, und wollte dies auch in ihrem eigenen Museum haben, natürlich mit Barbarossa als Sprecher. Bilder oder Videos gab es nicht, die Ausstellung auch nicht mehr und die Erinnerung war obendrein auch noch schwach. Außerdem gibt es keine echten Bilder von Barbarossa, die auf dessen Aussehen schließen lassen. Die Lösung entstand nach längerem Überlegen: Ein Maskenbildner (übrigens ein Höchstadter, der auch für Filme wie Neues vom Wixxer die Maske gemacht hat) wurde engagiert und machte aus einem Schauspieler “Barbarossa”. Dieser sprach den Text für das Museum und wurde dabei von beiden Seiten gefilmt. Zusätzlich fertigte ein Bildhauer eine Büste an, die den Schauspieler als Barbarossa zeigte. Im Museum wurden die Filmaufnahmen von zwei Seiten auf die Büste projiziert, sodass diese “zum Leben erwachte”. Unglaublich aufwändig und kompliziert - aber clever!
Danach sahen wir noch den bereits oben erwähnten 20.000€-Film und einen Wettbewerbsbeitrag zum Thema Augenlinsen, der bei drei Wettbewerben den ersten Platz abräumte (u.a. San Francisco). Interessante Geschichten, aber mit Videos hatte ich selbst noch nie zu tun und es ist auch nicht unbedingt mein Lieblingsgebiet.
Danach fuhren wir nach Nürnberg (die beiden ClipTrixer kamen nach, packten nur noch ihr Equipment für einen Dreh am Abend ein) - beziehungsweise ich fuhr mit Sabi und Stefanie nach Nürnberg, Britta fuhr heim, weil’s ihr nicht gut ging und die drei Neustadter Mädels (ich weiß nur noch Eva, weil die mich an eine andere Eva erinnert hat) wollten auch nach Nürnberg, kamen aber mit etwas Verspätung an, da sie eigentlich unserem Auto folgen wollten (wir hatten Navi!), uns aber irgendwann bei Tempo 160-180 verloren (Mädels, ich bin sogar noch mal ne Zeit lang extra langsamer gefahren, aber ihr wart einfach weg!). Schließlich waren dann doch alle da (eleganterweise hatte ich einen Parkplatz direkt vor der Eingangstür) und wir gingen gemeinsam ins Funkhaus Nürnberg, genauer gesagt zu Hitradio N 1, wo wir noch den Ton-Bereich abdecken wollten. Eine der Moderatorinnen führte uns durchs Haus, wo anscheinend permanent alle gut gelaunt sind…
Wir standen sogar im Studio, als gerade eine Sendung lief. Ist schon etwas seltsam, wenn die Moderatorin mitten im Studio locker mit einem quatscht, dann meint, wir müssten jetzt alle kurz ruhig sein, sie müsste was sagen, sich die Kopfhörer aufsetzt und auf einmal wild gestikulierend und sehr emotional vom abgebrochenen Nürnberg-Spiel berichtet. Ansonsten halt die übliche Hausführung mit den verschiedenen Redaktionen, den Produzenten, dem IT- und Webseitenteam. Schon nicht schlecht, so was mal von innen zu sehen - und noch viel besser, auf dem Rückweg auf dem Autoradio diesen Sender zu hören und auf einmal plötzlich den Sendeplan vor sich zu sehen, wo die ganzen Beiträge auch schon vermerkt haben. (Und auch ansonsten ein guter Radiosender, würde ich wohl zu meinem Standard im Auto machen, wenn er hier empfangen werden könnte. Grmpf…)
Irgendwann wird es noch einmal einen Abend von den Rotarieren geben, an dem alle Projekte vorgestellt werden, aber wann das genau ist, wusste niemand.
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