Als ich heute vom Wasserwacht-Training heimkam, wurde ich gleich wieder weggeschickt. Mein Vater hatte daheim angerufen, er hatte es beim Baumausschneiden tatsächlich geschafft, Sägemehl ins Auge zu kriegen (eine Windböe war schuld), das hatte sich verklumpt (Tränenflüssigkeit und so) und war dann hinters Auge gerutscht. Also erst den werten Herrn Papa aufsammeln und nach Erlangen geheizt, in die Augenklinik.
Auf der Fahrt erzählte er mir, dass es inzwischen nicht mehr so schlimm sei, das Sägemehl sei wieder ans Tageslicht gekommen - aber er wisse eben nicht, ob es das Auge beschädigt hatte und eventuell wären da noch Keime und so weiter.
In der Augenklinik haben wir dann die Notfallbehandlung für Augen und auch ziemlich rasch gefunden. Die Ärztin war zwar nett, aber schickte uns vorher in die Notaufnahme, damit mein Dad auch offiziell im Krankenhaus ist. Also noch mal zurück, Notaufnahme suchen… Welcher Depp kommt eigentlich auf die Idee und versteckt diese in der letzten Ecke des letzten Gebäudeflügels (direkt hinter so wunderbaren Stationen wie der Nuklearmedizin…) und schildert das dann nicht einmal aus?! Wir hatten sogar schon an der Wegbeschreibung der Ärztin zu zweifeln begonnen, weil wir mitten in der Nuklearmedizin standen, die uns warnte, bloß keine der vielen Türen zu öffnen…
Aber letztendlich haben wir das auch noch gefunden. Jetzt mussten nur noch 10€ Notfallbehandlungsgebühr (die Praxisgebühr fürs Krankenhaus) bezahlt werden, aber natürlich nicht in der Notaufnahme, sondern an der Pforte. Also nochmal raus, ab zur Pforte. Der eine Pförtner machte gerade Pause und verspeiste genüsslich seinen Joghurt, der andere war anscheinend mit dem Job in der Augenklinik gerade richtig. Wir hatten ihm schon die beiden Quittungen, die er unterschreiben musste, und das Geld hingelegt. Er meinte, er bräuchte jetzt die Quittungen. Mein Dad schob sie ihm gemeinsam mit dem Zehner zu. Er tastete (ja, er tastete!) danach und schnappte sich die beiden Zettel. Jetzt war erst einmal Brillenwechseln angesagt - und zwar von der starken auf die ultra-starke Brille. Die Gläser waren ungelogen einen halben Zentimeter dick! Und trotzdem suchte er immer noch unendlich lange nach der Stelle auf der Quittung, wo er unterschreiben musste. Er gab die Quittung zurück und sagte, das würde zehn Euro kosten und ob wir es den passend hätten. Zur Erinnerung: Der Zehner lag immer noch auf dem Tresen, genau an der Stelle, wo sich vorher die beiden Quittungen befunden hatten. Demonstrativ steckten wir den Zehner noch weiter durch den Glasschlitz in sein Zimmerchen, er fummelte an der Öffnung entlang und hatte den Schein endlich in der Hand.
Unglaublich, so eine Maulwurfs-Blindheit habe ich noch nicht erlebt… Aber zum Glück ist der Kerl ja wenigstens an der Augenklinik gelandet, das passt ja thematisch einigermaßen…
Nachdem wir jetzt endlich alles hatten (ich hab auf die Uhr geschaut, wir haben für den ganzen Papierkram und die Rennerei hin und her 20min gebraucht - erst dann gab es unseren Notfall auch tatsächlich und die Behandlung konnte beginnen!), konnten wir wieder ab zur Ärztin. Dort war inzwischen allerdings jemand in Behandlung, eine offensichtlich blinde Frau (oder fast blind, wir hatten sie zuvor schon einmal im Haus gesehen, sie hielt ihre Augen mit einer dunklen Sonnenbrille bedeckt und ließ sich von ihrem Mann führen) und wir setzten uns. Das heißt, mein Daddy setzte sich und ich machte mich vom Acker, um mir etwas zu essen zu besorgen. Ich ging Richtung Martin-Luther-Platz (die Uni-Klinik, zu der die Augenklinik gehört, liegt Richtung Burgberg) und kaufte mir an einer Döner-Bude einen ebensolchen. Irgendwas mit Amy-… hieß der Imbiss. Total leckeres Fleisch, angenehm würzig, ein fast perfekter Döner - wenn man nur den Fladen etwas getoastet hätte.
Als ich schließlich zurückkam, wartete mein Vater immer noch. Er hatte eine Frau vorgelassen, deren Fall anscheinend drastischer und dringender war, ihm selbst ging es inzwischen ganz gut, aber er wollte eben sichergehen. Kurz nachdem ich zurück war, kam er dran (die Frau bedankte sich noch einmal überschwenglich, dass er sie vorgelassen hatte). Die Behandlung bestand vor allem aus Reden, es wurde lediglich analysiert, ob der Augendruck okay war und ob sich noch Teile im oder hinter dem Auge befanden. Ansonsten verschrieb die Ärztin eine Salbe und ein Gel, das gegen eventuelle Pilzsporen wirken und die ganze Umgebung um das Auge möglichst keimfrei halten sollte.
Da wir keine Krankenkassenkarte dabei hatten, muss die mein Vater heute oder morgen nachreichen, außerdem muss er sich natürlich noch die Medikamente besorgen. Die nächste Apotheke, die geöffnet hat, liegt in Hessdorf, also etwa 20min Autofahrt entfernt…
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