Max macht Abitur

Grinderman

16. März 2008 · Keine Kommentare

Oder: Neue Artikel sind immer die schwersten.
Grinderman

Ich hab hier ja schon einmal darüber geschrieben, dass ich Grinderman durchaus mag. Jetzt will ich es anders nennen: Grinderman, das ist eine Band, die den rauen, ungeschliffenen Ton zum Konzept macht. Grinderman sind mittelalte, bärtige Männer, die Anzüge tragen. Grinderman dekonstruieren Melodie, sind archaisch.

Ich bewundere es, wenn Menschen es schaffen, in Würde zu altern. Das klingt jetzt zwar nach wirklich alten Leuten, aber in Wirklichkeit finde ich diese Generation zwischen 50 und 60 am interessantesten in dieser Hinsicht. Sie müssen sich entscheiden, wo sie hingehören: zu den Rentnern, die sie bald sein werden, oder zu den Jungen, die sie einmal waren. Und es gibt ein gewaltiges Risiko, sich lächerlich zu machen.
Nick Cave und seine Grinderman-Kollegen haben das gepackt. Sie tragen Anzüge zu Cowboy-Hüten, sie tragen Sonnenbrillen zu Vollbärten und sind doch keine Motorradgang.

Grinderman spielen zu einem beträchtlichen Anteil Krach, Lärm. Sie jagen alles durch alle erdenklichen Verzerrer, bis am Ende fast nichts mehr übrig bleibt. Zu diesen undefinierbaren Geräuschen mischt sich meistens eine sehr einfach gespielte Gitarre und eben Nick Caves Gesang. Grinderman spielt Blues unterbrochen von Lärm - so könnte man das Konzept der Band in Kurzform festhalten. Aber Grinderman ist mehr…

Grinderman

Grinderman kultivieren Musik in ihrer Unkultiviertheit. Sie bändigen den Lärm, sie konzentrieren ihn so lange, bis er an den richtigen Stellen die richtige Wirkung entfaltet. Sie räumen den Krach beiseite und spielen astreinen Blues - und gleichzeitig durchbrechen sie dessen simples Grundkonzept durch Krach. Es liest sich hier ungeheuer einfach und billig, aber auf der Platte hört es sich wie eine gelungene Einheit an, die man im ersten Moment nicht zu dekonstruieren vermag. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Verwendung ungewöhnlicher Instrumente. So spielt Warren Ellis unter anderem eine elektrische Bouzuki, eigentlich ein griechisches Lauteninstrument - wo sonst kriegt man so etwas noch zu Gehör?

Besonders eindrucksvoll das Video zur Single No Pussy Blues: Das Lied selbst handelt davon, dass sich der Sänger darüber beklagt, dass alle Versuche, bei seiner Angebeteten anzukommen, scheitern. In dem Video spielt die Band ein Wohnzimmer-Konzert - und überall lehnen knutschende Pärchen an der Wand, alle sind aufeinander geil, bis auf die Band, die letztlich alleine bleibt. Dazwischen montiert werden Szenen von Tieren beim Geschlechtsakt (besonders elegant bei den Giraffen, so viel sei gesagt). Im ersten Moment seltsam, im Verlauf des sich immer steigernden Songs aber sehr konsequent. Der Sänger schreit, der Schnitt wird schneller. Große Videokunst und trotzdem eine unglaublich einfache Inszenierung. Minimale Mittel mit maximalem Effekt.

Dieses Video trifft für mich Grinderman komplett: Härte, Rauheit, Unperfektheit, einfachste Mittel - und eine unglaubliche Wirkung.

Kategorien: Musik
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