Max macht Abitur

Joe Strummer & the Mescaleros

20. Januar 2008 · Kommentar schreiben

Joe Strummer & the Mescaleros

Es ist eine sehr kuriose Geschichte, wie ich auf Joe Strummer & the Mescaleros aufmerksam wurde, geprägt von Zufällen, die ihresgleichen suchen.

The Clash war mir seit langem ein Begriff. Ich kannte das London Calling-Album, liebte den Titel-Track und Guns of Brixton wurde vor allem durch die Cover-Version der Toten Hosen eines meiner Lieblingslieder. Ich verehre The Good, the Bad & the Queen und Paul Simonon, der mit seinem Reggae-Beat die Musik unglaublich weich und fließend macht (sowohl bei The Clash als auch bei The Good, …). Als regelmäßiger Spreeblick-Leser und Freund von Johnnys Geschichten bin ich allmählich auch bei Joe Strummer auf den Trichter gekommen.

Okay, bis hierhin noch eine völlig romantisierende Geschichte, aber jetzt kommt die Brechung des ganzen, kapitalistisch, technisiert: Am 2. und 3. Januar hatte Saturn u.a. DVDs um 25% reduziert. Ich war an diesem Tag zufällig in einem Saturn (hatte kurz vorher meinen Führerschein abgeholt, aber das hat ja damit nichts zu tun) und hab mir – wie so viele andere Menschen auch – gedacht: “Bei den Preisen schaust du mal, ob du nicht doch was findest…” Nachdem ich am Anfang die zweite Futurama-Staffel als DVD-Box in der Hand hatte (die erste habe ich bereits), beschloss ich nach intensiverem Stöbern bei den DVDs meine 30€, die ich an diesem Tag in der Tasche hatte (wenn ich gewusst hätte, was mir da alles zu unglaublich attraktiven Preisen in die Hände fiel, dann wäre ich mit mehr Geld angereist!), anderweitig zu investieren. Ich entdeckte “The Future is Unwritten” (den biographischen Film über Joe Strummer, der letztes Jahr in einigen Kinos lief und von Publikum und Kritikern viel gelobt wurde) und “The Essential Clash”. Die Entscheidung fiel gegen Futurama und für Joe Strummer und The Clash. Inzwischen habe ich “The Future is Unwritten” auf Etappen zu Ende geschaut und war vor allem begeistert vom “späten Joe Strummer”, der alleine sein Ding macht und die Musik spielt und die Kultur prägt, zu der er sich ganz persönlich hingezogen fühlt.

Von Joe Strummer & the Mescaleros kannte ich bislang nur das Video zu Redemption Song, das mich sehr berührt hat. Der Film hat mein Interesse für dieses Spätwerk Strummes geweckt und ich habe mir heute per last.FM einiges davon angehört. Im Moment scheint bei Amazon nur eine von drei CDs von Joe Strummer & the Mescaleros erhältlich zu sein bzw. die zwei anderen lassen sich für astronomische Summen aus Japan importieren. Dummerweise war Mondo Bongo, auf das ich bei last.FM aufmerksam wurde, auf einer dieser beiden de facto nicht erhältlichen CDs. Ein Abstecher zu iTunes sorgte aber für Entspannung: Dort waren alle drei CDs zu finden und wenige Minuten später befand sich Mondo Bongo in meiner Musiksammlung und auf meinem iPod. Ich stelle gerade fest, meine Vorgeschichte ist viel zu lang für das, was jetzt folgt. Mist…

Mondo Bongo ist ein sehr ruhiges Lied von Joe Strummer & the Mescaleros. Mit einer unheimlichen Gelassenheit singt Strummer von der C.I.A., Blumen im Haar, Bauxit-Minen und den Zapatisten. Er wird getragen von einem Gerüst aus den bereits im Titel genannten Bongos, einer überaus sanften Gitarre, einem kaum wahrnehmbaren Bass, der an Paul Simonon zu seiner besten Zeit erinnert, einem Akkordeon, das den Takt angebt und für Dynamik sorgt, und einer Geige, die einerseits für dramatische Momente sorgt, sich aber andererseits perfekt in das “weiche”, “fließende” Spiel der anderen Instrumente einfügt.

Latino caribo, mondo bongo,
the flower looks good in your hair…

Mit diesen unheimlich eindrucksvoll präsentierten Zeilen führt Strummer durch den Song, raunzt ein rauhes “Such is life…”, um kurz darauf wieder mit samtweichen Gesang zwischen den Instrumenten zu verschwinden. In ruhigeren Momenten drückt das prägnante Akkordeon das Lied vorwärts, die Bongos kommen wiederholt in den Vordergrund – aber hier ist klar hörbar, dass kein Tony Allen, der bei The Good, the Bad & the Queen so stimmungsvoll und reduziert für die Begleitung durch die Drums sorgte, am Werk ist. Die Geige klagt, streckt das Lied, dehnt die Musik ins unendlich Scheinende.

Was bleibt ist der Eindruck, wie ungemein lässig Joe Strummer von Blumen im Haar singt. Wie hölzern würde sich diese Zeile auf Deutsch anhören? Die Blume in deinem Haar sieht gut aus. Gestelzt, gespreizt – auf Englisch fließt es, ist kein einschleimendes Kompliment, sondern kleine Randbemerkung, die aber so elegant und wohl gewählt ist, dass man sie nicht überhören kann.

Ein tolles Lied für ruhige Minuten, durch die Bongos leicht afrikanisch angehaucht, durch Strummers charakteristische Stimme mit einem ganz eigenen Klang und durch das drückende Akkordeon wohl auch tanzbar. So lässt sich Musik genießen!

Kategorien: Max hört Musik
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