Max macht Abitur

Wasserwacht-Training 12.1.08

13. Januar 2008 · Keine Kommentare

Ich habe diesen Beitrag am Abend des 12.1.08 verfasst.

Irgendwie spukt mir das Training immer noch im Kopf herum.

Das erste Training nach Schulferien bedeutet immer einen besonders großen Ansturm (war auch diesmal der Fall), aber dieses Mal war es einfach extrem. Ich hatte die mittlere Gruppe (alleine) mit 16 Kindern. Die kleine Gruppe waren auch nicht gerade wenig, zum Glück waren da mit Gissi und Nadine zwei Trainerinnen da. Und auch die große Gruppe war wieder gut besucht (ich würde etwa 10 Kinder schätzen, ebenso bei der kleinen Gruppe).

Dann kam erschwerend hinzu, dass wir gleich drei Neue hatten: Simon, Tobias und noch jemand, dessen Namen ich vergessen hab. Tobias ist ein Freund von Cedric und war in meiner Gruppe. Also 15 bekannte Gesichter und ein Neuer auf einer 10m langen Bahn - das kann nicht gut gehen. Ich hab, als mir aufgefallen ist, wie voll das Becken von Anfang an war, schon mal im großen Becken angefragt, ob ich zwischendrin eine Bahn haben kann. Ich konnte. Das hieß also erst einmal etwas Entspannung.
Zwei von den Neuen (nämlich Simon und der, dessen Namen mir entfallen ist) waren in der kleinen Gruppe und da waren sie eigentlich auch ganz gut aufgehoben. Neben mir waren Martina, Nadine und Gissi da (die letzten beiden hab ich ja schon erwähnt); meistens sind Eltern mit Fragen aber direkt auf mich zugekommen (Gissi kam erst kurz vor halb neun) und ich hab mich nebenbei auch noch um die Fragen und Probleme der Kinder (”Maaaaax, der ärgert mich…”) gekümmert. Stressig also…

Außerdem wollte ich hier noch unbedingt erwähnen, dass ziemlich viele Eltern am Becken waren. Die Mutter des Kindes, dessen Namen mir nicht einfällt, war am Anfang da und hat nachgefragt, wie das ganze Prozedere abläuft; der Vater von Simon war anfangs auch da, aber der hatte noch zwei andere Kinder in der Wasserwacht und kannte sich deswegen aus; der Vater von Tobias blieb gemeinsam mit dem Vater von Cedric die ganze Zeit da.
Ich hab prinzipiell gar nichts gegen Eltern, die beim Training zuschauen und finde das immer auch eine schöne Sache, wenn man merkt, dass die Kinder nicht zu uns abgeschoben werden, damit man in aller Ruhe einkaufen gehen kann, sondern dass die Eltern sich auch anschauen, was ihre Kinder da machen. Aber heute hat es trotzdem für eine Extraportion Druck gesorgt, weil das Training in meiner Gruppe total chaotisch lief. So was wie heute hatte ich noch nie und wenn dann die Eltern draußen am Beckenrand sitzen (auch wenn’s in diesem Fall nur zwei waren), dann ist das halt irgendwie schon blöd, weil man einfach normalerweise eine ganz andere Qualität des Trainings bieten kann.

Aber jetzt mal langsam zum Training an sich:
Ich hab ja schon gesagt, dass ich heute 16 Kinder hatte, zumindest am Anfang. Mit Andreas hatte ich ja schon abgesprochen, dass er in die große Gruppe kommt und heute habe ich ihn endgültig dorthin verfrachtet. Außerdem hatte ich Rebekka versprochen, mir ihren Schwimmstil anzuschauen und weil der sauber und sie schnell war, ist auch sie in die große Gruppe gewechselt. Da waren’s also “nur” noch 14… (Kleiner Reminder für mich selbst: Ich muss nächste Woche noch mal selbst schauen, wer in die große Gruppe passen könnte. Ich hab da eigentlich immer ziemlich hohe Ansprüche, die werd ich wohl runterschrauben müssen. Andreas passt auf jeden Fall perfekt in die neue Gruppe rein, der braucht gar keine Anlaufzeit mehr; bei Rebekka ist es ähnlich. Evtl. nachdenken über Joana + ein paar von den großen Jungs…) Das Einschwimmen hat sich aufgrund der vielen Kinder in der Gruppe etwas hingezogen und es kam immer wieder dazu, dass welche am Beckenrand anstehen mussten, bevor sie ins Wasser konnten. Das bedeutete natürlich, dass die Kinder so langsam auskühlten und auch meine Maßnahme, die eine Bahn zu splitten, hat nicht wirklich geholfen (also sie hat das Schlimmste verhindert, aber die Situation nicht normalisiert). In der Folge kamen dann Isabelle und Melanie auf mich zu und erklärten, ihnen sei kalt. Das wird ja gerne mal als Vorwand benutzt, um nicht sagen zu müssen, dass man keinen Bock auf Training hat, aber den beiden Mädels war echt kalt, die haben gezittert. Also hab ich sie ihre Handtücher holen geschickt und die beiden saßen fortan auf der Bank. Vorteil: zwei zögernde Kinder weniger, die halten objektiv gesehen nur den Betrieb auf. Nachteil: Ich hab zwei Leute draußen sitzen und kann mir sicher sein, dass die irgendwann anfangen werden, Mist zu machen. Was auch geschah. Außerdem natürlich ein blöder Eindruck für die anwesenden Eltern, wenn erstmal zwei Kinder draußen sitzen und nicht schwimmen…
Kurz nachdem den beiden kalt war, kam auch Joana (Rebekkas Schwester) auf mich zu. Ihr war schlecht, aber sie meinte, sie könne weiterschwimmen. Also wieder ab ins Wasser und ich hatte sie immer im Hinterkopf und ein besonderes Auge auf sie. Langsam wurde es kompliziert: Eltern am Rand, Kinder sitzen draußen, einer ist schlecht und auch ansonsten ist - siehe gleich - Chaos pur…
Wenig später sah ich Bent und Tim auf mich zutrippeln. Sie hätten keine Lust auf Training, sie wollten lieber spielen. Ich hab ihnen erklärt, dass sie aber genau dazu da sind und sie erst einmal wieder ins Wasser geschickt. Später kamen sie noch mal und haben gefragt, ob sie warm duschen gehen könnten. In einem Anfall von akuter Dummheit hab ich “Ja” gesagt. Argh! Also waren die zwei erstmal weg, objektiv auch gut fürs Training, aber ein weiterer Punkt für den Hinterkopf (und außerdem natürlich selten doof, die einfach duschen gehen zu lassen, wir sind ja hier nicht das lustige Vormittagsprogramm, wo jeder macht, auf was er gerade Lust hat)… Meine anfängliche Gruppe von 16 Mann zerfaserte sich ziemlich…
Bei den Tauchübungen heute wurde offensichtlich, dass Selina und Daniela einfach noch nicht können. Ansonsten auch hier: Chaos… Ich war drauf und dran, Selina in die kleine Gruppe zurückzustecken, bis sie ordentlich taucht. Hab’s dann aber gelassen. Lief aber überhaupt nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte, nämlich schlecht (lief es, nicht: hatte ich mir vorgestellt). Ich glaub, ich muss Ingrid, die ich heute bei der riesigen Gruppe schmerzlich vermisst habe, mal mein Konzept mit dem Einzeltraining für gewisse Kinder vorschlagen (siehe dazu später mehr).
Danach Aufschreiben und direkt ab ins große Becken. Hier war eigentlich alles okay, alle waren mutig und haben sich ins Wasser getraut (bis auf Bent und Tim, die keinen Bock hatten). Insgesamt war am Beckenrand trotzdem Chaos und auch hier bin ich eigentlich unzufrieden.
Danach noch einmal Brustbeinschlag-Übungen im kleinen Becken, während die beiden anderen Gruppen schon spielerische Elemente gebracht haben. Dementsprechend die Motivation meiner Kinder, nämlich gering. Aber irgendwie sind es immer nur die Mädels, die andere Übungen wollen. Ich hab Bent und Tim wieder ins Wasser bekommen, nachdem ich angekündigt hab, dass die beiden jetzt mitmachen oder auch später zum Spielen nicht mehr ins Wasser gehen. Isabelle und Melanie machen Mist…
Was ich vergessen habe, zwischendrin zu erwähnen: Franziska hat immer wieder gegen Übungen protestiert, was auf Dauer ermüdend war. Selina hat sich angeschlossen, auch nervig. Bent hat mir erzählt, dass er eigentlich nur bei der Wasserwacht ist, damit er das Schwimmen nicht verlernt, er wolle eigentlich gar nicht Rettungsschwimmen lernen. Ich denke auch jetzt noch darüber nach. Muss ich mein Training anders gestalten? Oder kann ich froh sein, dass er so offen zu mir ist und mir anscheinend vertraut, dass ich ihn für seine eigene Meinung nicht bestrafe? Oder beides? Ist wohl die wahrscheinlichste Variante. Ich find’s schade, dass Tim und Bent heute so gestreikt haben, denn eigentlich waren die beiden immer eifrig beim Training dabei und beide haben mit Sicherheit Talent und Potenzial. Schade, wenn die sich gegen die Wasserwacht entscheiden würden…
Ach ja, was mich auch noch aufregt: Dass sich die Trainer im großen Becken (ich hab’s beim Thomas gesehen, wie’s beim Rest war, weiß ich nicht) einen ruhigen Tag gemacht haben und wir im kleinen Becken absolut an der Belastungsgrenze waren. Dazu diese “Dein Problem kümmert mich einen Scheißdreck”-Haltung, die mir da aufgefallen ist. Bei so was kann ich aggressiv werden!

Ich hatte ja noch angekündigt, mein Einzeltrainings-Konzept hier zu schreiben. Also, hier ist es:
Mir ist schon vor einiger Zeit aufgefallen, dass viele Kinder einen Bereich haben, in dem sie sich schwer tun. Das kann das Tauchen, aber auch der Brustbeinschlag, der Armzug oder die nötige Ruhe im Wasser sein, völlig egal. Wichtig ist: Bei den meisten Kindern ist es exakt ein Gebiet, an dem es hapert. Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie viel Einzeltraining bringen kann und bin deswegen von dieser Methode sehr überzeugt.
Ich habe vor, in Zukunft extra einen Trainer abzustellen, der nur Einzeltraining betreibt. Jedes Wochenende bekommt der ein Kind zugespielt (jedes Mal ein anderes) und arbeitet mit diesem an seinem speziellen Problembereich.
In Trainingsgruppen hat man nicht die nötige Ruhe, um auf Probleme Einzelner ausführlich eingehen zu können. Weder Daniela noch Selina konnten vernünftig tauchen, nachdem sie die kleine Gruppe hinter sich gelassen hatten. Vor allem: Ich habe in einem normalen Training nicht die Zeit, detailliert auf die beiden einzugehen und mit ihnen zu üben, weil dann zehn andere Kinder am Rand stehen und sich langweilen.

Zum Abschluss aber doch noch eine Sache, die mich freut: Als ich mich umgezogen hab, hat sich auch Tobias, der Neue in meiner Gruppe, umgezogen und wurde von seinem Vater, der ja die ganze Zeit da war, gefragt, ob es ihm gefallen hätte. Und, was soll ich sagen, Tobias eklärte, er würde jetzt immer kommen, sein Vater war auch ganz angetan. Ich bin dann zu den beiden hin und hab dem Vater erklärt, dass dieses Mal das Training extrem chaotisch ablief und dass man sich im Normalfall mehr um den tatsächlichen Schwimmstil der Kinder kümmern könne.
Würde mich freuen, wenn ich dem Vater noch einmal ein sauberes Training präsentieren kann und nicht so ein Chaos wie heute, auch wenn der’s offenbar gar nicht so wahrgenommen hat (gut, der hatte ja erst mal die kleine Gruppe im Weg, die ein einigermaßen ordentliches Training abliefern konnten). Hoffentlich dann wieder mit Ingrid oder wahlweise auch mit einer kleineren Gruppe… So viele Leute auf einem Haufen alleine unter Kontrolle zu haben ist wirklich nicht einfach… Andererseits muss man sich natürlich freuen, wenn die Kids gerne zur Wasserwacht und zum Training kommen. Aber trotzdem, ab einer gewissen Zahl leidet das Training bzw. man bräuchte mehr Trainer.

Noch ein letzter Satz: Vor den Weihnachtsferien hat mich Franziska einiges gefragt, z.B. ob das Hallenbad dem Herrn Kölbl gehört. Ich hab ihr dann erklärt, dass es der Stadt gehört. Die nächste Frage dann: “Wie viel Geld verdienst du denn, dass du uns trainierst?” Ich hab ihr gesagt, dass ich da nichts verdiene - aber wirklich, diese ehrlich gemeinte Frage, von einem Kind gestellt, macht einen doch verdammt stolz…

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