Bei Nicorola gefunden: Nick Cave & the Bad Seeds präsentieren ihr demnächst erscheinendes Album “Dig, Lazarus, Dig!!!“. Der Song mit dem gleichen Namen hört sich doch schon mal ganz ordentlich an. (Wer noch nicht auf den Link geklickt hat: Jetzt ändern und dort legal diesen Song herunterladen…)
Auf Nick Cave bin ich eigentlich erst durch sein jüngstes Projekt „Grinderman“ gestoßen. Mir gefiel die Idee, dass bärtige Männer in Anzügen schwer konsumierbare Musik machen und hab mir das entsprechende Album zugelegt. Vorher kannte ich zwar den Namen Nick Cave, konnte den Kerl aber nicht einordnen. Nach einigen Durchläufen begann ich Grinderman zu lieben, manche Songs mehr, manche Songs weniger. Unverkennbar, dass Mr. Cave in seinem ja durchaus gestandenen Alter noch eine Energie in die Lieder packt, die seinesgleichen sucht. „Love Bomb“ ist für mich so ein Beispiel, während „Man on the Moon“ die sehr ruhige, melancholische Seite des Nick Cave repräsentiert. Ein spannender Charakter, eine spannende Grantwanderung!
„Dig, Lazarus, Dig!“ knüpft für mich an „(I don’t need you to) Set Me Free“ (von der Grinderman-Platte, was anderes kenn ich von Cave ja nicht) an, was schon nach wenigen Durchläufen mein Lieblings-Song des Albums war. Insofern: Interessantes Ding, ich denke darüber nach, ob ich mir das Bad-Seeds-Album zulegen könnte. Erst mal die Kritiken abwarten und außerdem habe ich ja hier noch genug Musik herumliegen, der ich noch zu wenig Zeit gewidmet habe… Aber irgendwie hab ich das Gefühl, als ob ich die Finger doch nicht davon lassen kann…
Was ich außerdem noch erwähnen wollte und fast vergessen hätte: Mir ist aufgefallen, dass ich ein seltsames Faible für religiöse Musiker habe, ohne selbst religiös zu sein. Nick Cave ist praktizierender Christ, der Lazarus aus dem Album bezieht sich auf eine biblische Gestalt. Und mir ist auch Matisyahu sehr symphathisch, der Kerl ist Jude und lebt nach den Vorschriften seines Rabbiners (hat deswegen auch beispielsweise das Stage-Diving aufgegeben). Zu Matisyahu gibt’s eine nette Geschichte, die ich – wenn ich schon mal dabei bin – auch noch erzähl:
Ich bin auf ihn aufmerksam geworden am wohl schlechtesten Punkt der Welt, um auf Musik aufmerksam zu werden. Wir waren in Erlangen im Kino gewesen und hatten auf dem Rückweg – um mittlerweile ein Uhr nachts – einen Zwischenstopp beim Burger King in Gremsdorf gemacht, weil einer doch noch Hunger hatte. Wir saßen also im Burger King und ich hatte dieses brennende Gefühl in den Augen: zu lange wach, zu viel Zigarettenrauch, zu wenig Ablenkung, zu weite Entfernung zum heimischen Bett, in dem ich mich eigentlich jetzt ausbreiten wollte. Jedenfalls lief gerade auf den Fernsehern ein Musikvideo mit einem schlanken Kerl in dunkler adidas-Jacke, der auf irgendwelchen Dächern herumspazierte und dazu rappte. Schnitt. Ein enger Club, auf der Bühne spielt eine Band. Der Mann ist wieder da, diesmal trägt er einen dunklen Anzug zu weißem Hemd und auf dem Kopf einen Hut. Eine überaus elegante Erscheinung. Als sich die Band immer weiter in ihren Part hineinsteigert, springt der Anzugträger, er wird vom Publikum getragen. Schnitt, wieder zurück zu den einsamen Mann im adidas-Trainingsanzug auf den Dächern. Wer das Video kennt, wird wissen, wovon ich rede: Youth von Matisyahu. Ich mag das Video heute noch, es hat eine sehr ästhetische Komponente. Und auch bewundernswert, wie Matisyahu sowohl in der blauen, leicht ausgewaschenen adidas-Jacke als auch im blitzsauberen schwarzen Anzug zu reinweißem Hemd immer gut aussieht.
Die anderen Anwesenden fanden das Video schlecht und begannen darüber und über Hip-Hop im Allgemeinen zu lästern. Ich hielt den Mund. Persönlich hielt ich nie etwas von der generellen Ablehnung von HipHop und vor allem dieses Getue von wegen: „Ich hör alles, nur keinen HipHop…“ und alles andere was noch folgte. Nicht zuletzt hat mich dieses Video mit dem HipHop versöhnt, nicht zuletzt habe ich durch dieses Video die HipHop-Kultur schätzen gelernt (und ich meine hiermit ausdrücklich nicht die Kultur des Gangsta-Rap, sondern die des HipHop).
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